Was kann man für den Wildbestand tun?

Nichts ist so gut und billig wie das, was die Natur jährlich säht.
Nach einer Anregung von Wildmeister a.D. Artur Amann

In großen Waldrevieren stellt sich oft die Frage, ob man für seinen Wildbestand noch etwas tun kann.
Äsungsflächen sind im ausreichenden Maße vorhanden. Daran mangelt es nicht. Bucheckern und Eicheln finden sich ebenfalls. In dem einen oder anderen Jahre kann man sogar mit einer richtigen Herbstmast rechnen.

Jeder Jäger weiß, dass Äpfel, Birnen und Kastanien vom Wild begierig aufgenommen werden.
Im holländischen Nationalpark „Hoge Veluwe“ ist das zur Zeit der Hirschbrunft gut zu beobachten. Die Förster verstreuen vor dem Eintreffen des Wildes zwei Eimer voller Äpfel. Kaum sind sie mit ihrem Dienstfahrzeugen verschwunden, stürmen Hirsch und Sau zu den ausgelegten Früchten. Die Gier in ihren Lichtern ist nicht zu übersehen.

Unser Wild nimmt Obst sehr gerne auf. Daher ist die Pflanzung von Obstbäumen oder Kastanien ein geeignetes Mittel die Äsung zur Zeit der Herbstmast deutlich zu verbessern.
Große Äsungsflächen bieten sich hierfür geradezu an. In ihrer Mitte kann man sicherlich einige Obstbäume setzen, die bei genügendem Abstand und einer ausreichenden Besonnung eine gute Kronenbildung zeigen. Eine gute Kronenbildung bringt reichlich Früchte. Die geringe Beeinträchtigung der Sichtverhältnisse ist sicherlich hinzunehmen.

Eine so angelegte Streuobstfläche treibt im Frühjahr viele Blüten und wird damit zu einer echten Bienenweide. Im Herbst folgt die Herbstmast mit Obst, den Pralinen unseres Wildes.

Der ökologische Wert einer solchen Anpflanzung

Der ökologische Wert einer solchen Anpflanzung ist unbestritten. Nicht nur viele unserer Wildarten, sondern auch viele Vogelarten, wie z. B. der Steinkauz, der Star, unsere Grasmücken und zukünftig sicherlich auch der Wiedehopf fühlen sich dort zu Hause. Hängengebliebene Äpfel, oder Birnen, werden von durchziehenden Drosseln aufgenommen und alle Meisenarten suchen in den Bäumen nach Insekten. Die Planung einer solchen Fläche muss immer mit dem Grundstückseigner, dem Waldbesitzer und dem zuständigen Förster erfolgen.

Baumkronen benötigen viel Licht

Die Kronen der Bäume brauchen Licht, sonst leiden sie stark oder der Baum stirbt ab.
Wer mit offenen Augen durch sein Waldrevier geht, wird viele geeignete Standorte für Kastanien oder Obstbäume finden. Auch wenn es Jahre dauert, bis zur ersten Mast, nutzen sie die Chance für unser Wild, unsere Insekten und unsere Vogelwelt.

Empfohlene Obstsorten sind: Wildapfel, Wildbirne und viele Obstarten aus unseren Gärten.
Lassen Sie sich diesbezüglich von den örtlichen Baumschulen beraten. Die geeigneten Arten für den gewählten Standort werden ihnen dort angeboten. Wichtig ist auch eine Beratung über Pflanzung und den späteren Obstbaumschnitt.

In Revieren mit Hochwildvorkommen wird man sich in jedem Falle für den Hochstamm entscheiden.

Baumschutz durch Drahthosen

Selbstverständlich müssen die Bäume gegen Fege-, Schlag- und Schälschäden zuverlässig mit stabilen Drahthosen geschützt werden.

Vor der Pflanzung schlagen wir die Pfähle für die Drahthosen ein. Es folgen der Wurzelschnitt, die Pflanzung und das Anbinden.

Der Pflanzabstand für den Hochstamm beträgt 8 – 10 Meter.

Entlang der Holzlagerplätze, gut belichteter Waldwege und großer Äsungsflächen findet man sicherlich auch Standorte für die Kastanie, die mit ihren Steilästen nur einen geringen Platzbedarf hat. Jungbäume wachsen oft unter vorhandenen alten Kastanien. Sie kann man erfolgreich umsiedeln. Bei ausreichendem Licht werden ihre Früchte vom Wild später dankbar aufgenommen.

Gerd Tersluisen
(Hegering Gladbeck)