Von Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)
Wir schrieben den 26. 04. 2026. Langsam rollte mein PKW, morgens um 8.00 Uhr, über eine landwirtschaftliche Straße aus dem Revier. Eine erfolgreiche Gummipirsch lag hinter mir.
Im frühen Sonnenschein bewegte sich unser Wild. Alte Böcke prahlten mit ihren fertigen Gehörnen. Die jungen Böcke trugen noch ihre Bastpracht. Ricken und Schmalrehe sah man in jeder Ecke des Revieres. Alle zeigten noch graue, stramme Winterdecken. Bei dem langanhaltenden und sehr kalten Regenwetter dieses Frühjahres, setzt das Verfärben offensichtlich erst sehr spät ein. Nirgendwo erkannte man eine ruppige Decke.
Hasen hoppelten im Hochzeitsreigen und Fasanen zeigten ihre Flatterbalz.
Auch der große Brachvogel ließ sein Lied ertönen und stach in den Wiesen nach Regenwürmern. Meister Adebar stand klappernd auf den angebotenen Nisthilfen und am Himmel schaukelte eine Rohrweihe über die Wiesen.
Ja, es war heute eine Lust, draußen zu sein.
Ich war froh und zufrieden. Mich durchströmten Glücksgefühle, die nur derjenige kennt, der nahezu täglich bei Sonnenaufgang im Revier ist.
Langsam fuhr ich an einer ca. 6 m hohen Hecke vorbei, die von den Landwirten und Bauern straßenseitig geschnitten worden war. Dadurch ergaben sich kleine Fehlstellen, durch die man in die anschließenden sehr großen Wiesen- und Weidenflächen blicken konnte. Plötzlich stoppte ich mein Fahrzeug. Hatte ich das gerade richtig gesehen? Im Vorbeifahren erblickte ich doch drei große grau-braune Vögel mit gebogenem Hals. Was war das nur? Laufen hier Nandus herum?




Es waren Kraniche
Bis zu einem kleinen Fenster in der Hecke, das mir wieder den Blick auf die Vögel ermöglichte, rollte ich vorsichtig zurück. Was ich dort sah, hätte ich nie erwartet.
In einer Entfernung von 60 Metern standen doch drei Kraniche in der Wiese. Zwei der großen Vögel schritten vornehmen Schrittes auf Nahrungssuche durch die Wiese. Der dritte, ein Altvogel mit ausgeprägten Schmuckfedern, stand völlig entspannt vor mir und beschäftigte sich ausgiebig mit der Gefiederpflege. Gut, dass ich meine Kamera immer neben mir auf dem Beifahrersitz habe. Sofort bekam sie reichlich Arbeit. Auch wenn einige Aufnahmen durch die Äste der Hecke gestört wurden, gelangen mir Lichtbilder der Vögel, wie noch nie in meinem Leben. Rotbuntes Fleckvieh graste auf der Weide im Hintergrund. Hasen hoppelten an dem seltsamen Vogel vorbei und auch ein Reh war auf den Fotos zu erkennen.
Hinter meinem Fahrzeug erschien eine wandernde Familie mit Hund. Nun musste ich meine Aktion beenden, um diese Personen nicht auf die Kraniche aufmerksam zu machen. Vielleicht wurden die Wanderer nicht von den Vögeln bemerkt.
Das war ein Morgen, den ich nie vergessen werde. Kraniche in Dorsten außerhalb der Zugzeit, wer hätte damit gerechnet. – Ich jedenfalls nicht.
Meldung an die Bio-Station Recklinghausen
Am nächsten Tage meldete ich meine Beobachtung den Mitarbeitern der Bio-Station Recklinghausen und legte ihnen Belegfotos vor. Die Biologen waren völlig aus dem Häuschen.
Das die Vögel zu dieser Zeit hier zu beobachten seien wäre unglaublich. Das könne nur heißen, dass sie auch hier brüteten. Der Kranich besetzte in NRW seit kurzem einige Brutbiotope. Warum nicht auch im Gebiet der Stadt Dorsten?
Es gilt nun, Altkraniche mit Jungvögeln zu beobachten und zu melden.
Vielleicht gelingen mir auch von ihnen wieder Fotos, wie am 26.04.2026.
Bildnachweis:
- Kranich in Dorsten: Gerd Tersluisen
- Kranich in Dorsten: Gerd Tersluisen
- Kranich in Dorsten: Gerd Tersluisen
- Kranich in Dorsten: Gerd Tersluisen
