Seltener Gast am Wasserschloss Raesfeld

Pelikan

Das Wasserschloss Raesfeld, nahe der Üfter Mark, wurde an den Weihnachtsfeiertagen kurzfristig zum Laufsteg für einen selten Gast aus der Vogelwelt.

Waren Paparazzi in Raesfeld?

Nein, es waren keine Paparazzi, die sich in auffallend großer Zahl und mit gewaltigen Objektiven, am Schlossgraben tummelten. Spaziergänger, Fotografen aus den unterschiedlichsten Städten und das regionale Fernsehprogramm des WDR, stellten einem Krauskopf-Pelikan nach. Ja, sie haben richtig gelesen. Ein Krauskopf-Pelikan hatte sich in den Bereich der Schlossgräben verirrt. Anfänglich stillte er mit reichlich Fischen seinen Appetit. Dann aber vereisten die Schlossgräben und mit ihnen die Teiche des zugehörenden Tiergartens innerhalb einer Nacht. An Nahrung konnte der außergewöhnliche Vogel nicht mehr gelangen.

Pelikane in Deutschland.

Pelikane sind in Deutschland sehr ungewöhnlich. Mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit darf man davon ausgehen, dass es sich bei fast allen freifliegenden Gästen um Gefangenschafts- Flüchtlinge handelt. Bei einigen seltenen Exemplaren kann es sich tatsächlich um weit verstreichende Irrgäste handeln. Die Ornithologen sind sich da nicht so sicher.

Gelber Fußring mit schwarzer Aufschrift, dass kann nur ein Niederländer sein. (Haben unsere Nachbarn nicht ein ähnlich gestaltetes KFZ- Kennzeichen?)

Der Vogel besaß einen gelben Fußring mit schwarzer Aufschrift. Sein Ring zeigte, dass er aus einem niederländischen Vogelpark, nahe Amsterdam-Rotterdam, entwichen war. Er hatte als Kolonievogel den Anschluss an seine Vogelgruppe verloren. 156 Km Luftlinie lagen nunmehr zwischen seinem „Wohnort“ und den Schlossgräben.

Warum der Vogel ausgerechnet die Schlossgäben des Wasserschlosses für seinen Zwischenstopp wählte, bleibt im Dunklen. Die Kombination der Wasserflächen mit ausreichend Ruhe schien dem Tier zunächst sehr zu gefallen. Die Ruhe währte allerdings nicht lange.

Der Krauskopf-Pelikan, ein gewaltiger Vogel.

Mit 13 KG Körpergewicht und einer Spannweite bis zu 2,90 m ist er deutlich größer als ein Höckerschwan. Er benötigt täglich 1,2 Kg Fisch, um zu überleben. Seine europäischen Brutvorkommen liegen im Donaudelta, in Bulgarien, in Jugoslawien, in Rumänien und im Bereich griechischer Seen.

Rettung durch unsere Nachbarn.

Mit der plötzlichen Vereisung der Wasserflächen drohte nunmehr der große Vogel zu verhungern.

Am Sonntag nach Weihnachten aber war der Pelikan, sehr zum Leidwesen vieler angereister Fotografen, verschwunden. Die Niederländer hatten den Vogel wieder eingefangen. Er ist im Vogelpark Avifauna, in der Nähe Amsterdam/Rotterdam, angekommen. Zunächst brachten ihn die Pfleger aber in Quarantäne, bevor er wieder zu seiner Kolonie zurückkehrte.

Gehört der Pelikan nicht doch zu den Singvögeln?

Mir gelangen einige Flugaufnahmen dieses gewaltigen Vogels. Dabei wusste ich sofort, dass es sich um einen Flüchtling aus einem Zoo oder Vogelpark handelte.

Als der gewaltige Vogel Luft unter seine Schwingen nahm, hörte ich wie er laut und mit grunzenden Tönen das Lied „Freiheit, die ich meine“ sang, oder sollte ich mich da verhört haben?

Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)

Quellen:
„Vögel an Küsten und Meeren“ Verlag Lingen · „Mediendatenbank Biologie“