Von Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)
Meister Adebar, wie unser Weißstorch in Märchen genannt wird, erfreut uns in NRW wieder mit zahlreichen Bruten.
Die Entwickelung seiner Bestände ist einfach atemberaubend.
Im Jahre 1991 gab es in ganz NRW nur noch drei Storchenpaare.
Die letzten Störche des Münsterlandes brüteten dort im Jahre 1918, in der Warburger Börde im Jahre 1930 und im Kreis Kleve im Jahre 1947.
Nunmehr sprengen die Zahlen der Brutpaare aber alle Vorstellungen der Ornithologen und der interessierten Jäger unseres Landes.
Im Jahre 2025 brüteten in NRW, sage und schreibe, 784 Paare der großen Schreitvögel. 1491 Jungvögel wurden flügge.
Der NABU NRW spricht von den wahrscheinlich höchsten Bestandszahlen der Störche auf dem Gebiet unseres Bundeslandes, seit ihrem ersten Auftreten im 16. Jahrhundert.
Es handelt sich hier um einen der größten Artenschutzerfolge der letzten Jahrzehnte.
Diese Entwickelung ist in aller Deutlichkeit auch bei uns in Dorsten zu erkennen.
Im Jahre 2003 brütete das erste Storchenpaar im Hervester Bruch. Man hatte Nisthilfen aufgestellt. Und tatsächlich, eine erste Nisthilfe wurde auch schnell angenommen. Das war ein vielversprechender Anfang.
Seitdem brütet auf diesem Horst jedes Jahr ein Paar der schwarzweißen Schreitvögel. Es wurden dort jährlich bis zu vier Jungstörche groß.
Mittlerweile existieren auf einer Esche, in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Horst,
sechs weitere Horste. Von ihnen sind fünf durch Storchenpaare belegt. Sie haben richtig gelesen. Sechs Storchenhorste in einem Baum. Dieser Storchenbaum ist eine Sensation.
Etwas ähnliches habe ich nur in den 1970er Jahren in Ungarn gesehen. Für mich war das damals ein unglaubliches Erlebnis.
Ich habe versucht, diesen Baum einmal im unbelaubten Zustand zu fotografieren und hoffe, dass man die Horste auch erkennen kann. Ca. 50 cm über dem unteren Horst befindet sich ein weiterer Horst in einem Astzwickel. Er ist nur schwer zu erkennen.


In unserer Stadt, am Rande des Ruhrgebietes, brüteten allein in diesem Jahre vierzehn Storchenpaare. Das ist ein gewaltiger Erfolg.
Worauf sin diese Erfolge zurückzuführen?
1. Intakte Lebensräume
Feuchte von Heckrindern beweidete Flächen, aber auch sehr große Wiesen- und Ackerflächen, bieten Nahrung in Hülle und Fülle. Regenwürmer, Frösche, Schlangen, Insekten und Kleinsäuger sind überall zu finden. Flachwasserbereiche in großen Absenkungsflächen sind ausreichend vorhanden.
2. Zahlreiche Nistplätze
Die Angebote neuer Nisthilfen wurden sehr gerne von den Vögeln angenommen.
Ein angenommener Baum, wie in Dorsten, bleibt sicherlich die Ausnahme.
3. Kurze Wege ins Winterquartier
Während die Störche in der Vergangenheit regelmäßig über die Meerengen von Gibraltar und dem Bosporus ins südliche Afrika flogen, fliegen sie heute oft nur noch viel kürzere Wege und bleiben in Europa, oft sogar in Deutschland. Sie sind damit eindeutig Gewinner des Klimawandels. Die Strapazen des Winterzuges und die Gefahren der Jagd in den überflogenen Ländern, entfallen für die hier verbleibenden schwarzweißen Schreitvögel.
Außerdem ist der Storch an seinen Horst gebunden.
Bei ihm geht es getreu dem Motto, wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Der Horst wird von seinem Besitzer im Frühjahr sofort gesichert und durch Kämpfe für ihn und seine Partnerin erhalten. Daher erscheint der männliche Vogel oft schon im Februar an seinem Bauwerk.
4. Der Storch ist ein Sympathieträger
Von je her ist der Storch eng mit dem Menschen verbunden gewesen.
In der Mythologie und der Volkskunde steht er für Glück und Wohlstand. Er schützt vor Feuer und Blitzeinschlägen. Er steht für die Fruchtbarkeit der Familie, für einen Neubeginn und für den Frühling.
Der Mensch stand schon immer dem Vogel wohlgesonnen gegenüber. So auch heute noch.
Selbst hier im Ruhrgebiet wandern die Menschen massenhaft zu den Storchenhorsten, um ihren Kindern einmal Adebar zu zeigen, aber auch um ihn selbst beobachten zu können.
Der Storch wird, wie in der Vergangenheit, nicht nur gern gesehen und geachtet, er wird von allen auch gern geschützt.
Der klappernde Großvogel ist jedenfalls wieder da.
Quellen:
NABU NRW, Internetseite
Gespräche mit Mitarbeitern der BIO-Station Recklinghausen
Eigene Erlebnisse
Bildnachweis:
- Störche: Gerd Tersluisen
- Störche: Gerd Tersluisen
