Es ist schon erstaunlich welche Vorschläge aus der Landwirtschaft kommen, um kurzfristig die Schäden der Vogelgrippe zu minimieren.
Da wurde doch in einer landwirtschaftlichen Zeitschrift der Vorschlag publiziert, alle Stoppeläcker umzupflügen, um das Futterangebot für die Kranich- und Gänsescharen zu verknappen. Die Vögel würden dann schon weiterziehen.
Das erinnert mich doch stark an das Gebet:
„Hl. St. Florian, verschone mich, zünd andere an!“
Ich frage mich auch, warum eine Aufstallpflicht erst amtlich verordnet werden muss, um unser Geflügel zu schützen? Steckt dahinter nur die Angst vor Preisvorteilen der Mitbewerber?
Vom Beginn bis zum Ende der Zugzeit ist nun einmal die Freilandhaltung von Hühnern, Gänsen und Enten mit hohen Risiken verbunden. Die Zeiten von Mitte September bis Ende März sind die Hauptzugzeiten von Kranichen, Gänsen und Enten. Eier aus dieser Zeit sind nun mal nur durch Bodenhaltung und nicht durch Freilandhaltung zu produzieren. Durch das Aufstallen seiner Tiere entsteht dem Geflügelzüchter ein höherer Aufwand. Dieser höhere Aufwand müsste sich in einem höheren Preis für seine Produkte niederschlagen.


Das heißt, dass Freilandeier, Gänse und Enten teurer werden.
Es kann doch nicht sein, dass die Tierseuchenkasse für unternehmerisches Fehlverhalten zahlt. In der Industrie gibt es so etwas doch auch nicht.
Der Aufschrei der Geflügelwirtschaft ist jedenfalls gewaltig.
Von den Unternehmern erwarte ich vorausblickende Entscheidungen und nicht ständig den Ruf nach Hilfe des Staates. Die Bauern und Landwirte haben als einziger Berufsstand ein eigenes Ministerium. Das sollte man nicht vergessen. Es muss doch möglich sein, dass die Geflügelzüchter mit ihrem Minister gemeinsame Wege aus dieser Krise suchen und eine vernünftige Lösung finden. Immer wieder werden in den Medien tote Wildtiere gezeigt. Die Bilder suggerieren: Unsere Wildvögel sind die Übeltäter.
Nicht die Wildtiere sind die Täter. Sie sind die Opfer.
Die Hochpathogene Vogelgrippe (H5N1) stammt nun einmal aus Geflügelzuchten in Asien. Das ist unbestritten. Der internationale Geflügelhandel verbreitete diese Krankheit entlang seiner Handelswege in die ganze Welt. Er infizierte damit auch unser Wildgeflügel. Die Krankheit betrifft nicht nur Wasservögel, sondern auch Greifvögel, wie z.B. den Milan, Robben, Kühe und andere Säugetiere. Die hohe Sterblichkeit bei unserem Wildgeflügel ist nur der Anfang. Hoffentlich bleiben unsere Kühe und auch wir von dieser Krankheit verschont. Dieses menschengemachte Problem wird uns noch lange beschäftigen.
Die Krankheit kann zur Pandemie werden. Viele Staaten haben bereits nationale Krisenpläne für den Fall eines massiven Übergangs von Geflügelpest-Viren auf den Menschen erarbeitet. Wo bleibt da unsere Presse?
Sorgen wir für Veränderungen in der Massentierhaltung. Lasst uns endlich wieder mit Freude und nicht mit Angst, die Rückkehr unserer Zugvögel erwarten.
Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)
Quellen: Internetseite NABU. „Wer steckt wen an?“ – Wikipedia: Vogelgrippe H5N1
