Der Raubwürger ist ein amselgroßer Vogel, mit weißer Brust, einer schwarzen Augenbinde, schwarzen Schwingen- und Schwanzfedern. Neben dem Rotrückenwürger (Neuntöter), ist er der einzige Vertreter der Würger in NRW. Europaweit ist er der Größte dieser Gruppe.
Er sitzt stets auf hoher Warte und ist auf ihr, wegen seiner weißen Brust, gut zu beobachten.
Neben der Ansitzjagd von dieser Warte aus fängt der Raubwürger seine Beute nach Art des Sperbers durch Aufscheuchen oder am Boden. Seine Beute, die oft erstaunlich groß ist, klemmt er in Astgabeln ein oder spießt sie auf Dornen auf.
Er trifft alljährlich den gleichen Brutpartner in einem bis zu 20 Hektar großen Sommerrevier.
Im Herbst trennen sich die Brutpartner und suchen, jeder für sich, ein Winterrevier auf. Dieses Winterrevier kann ebenfalls eine Größe von 20 Hektar erreichen.
Die Vögel sind recht territorial. Sie sind Bewohner des offenen Buschlandes.
Im südlichen NRW existieren nur wenige Brutreviere. Sie liegen in Höhen über 450 m. Vereinzelt trifft man den Vogel in Winterrevieren mit wesentlich geringeren Höhenlagen an. Diese Vögel stammen meist als Zuzug aus östlichen Gebieten.
Der Raubwürger steht auf der Roten Liste in NRW unter 1 (vom Aussterben bedroht).
Sein Rückgang ist, wie beim Neuntöter, nicht nur auf geänderte klimatische Bedingungen, sondern auch auf die intensivere landwirtschaftliche Nutzung der verbliebenden Brutreviere zurückzuführen.
Erste Sichtung eines Raubwürgers in der Üfter Mark
Am 10.11.2021 machte ich auf einem Spaziergang einen Zwischenstopp in der Beobachtungshütte am Hauptbrunftplatz in der Üfter Mark. Dieser Platz ist vielen von Ihnen durch die Weiterbildungsseminare bekannt.
Mit einem Blick sah ich die weiß leuchtende Brust des Raubwürgers auf hoher Warte.
Der Vogel saß im Bewuchs eines Feuchtbiotops, ca. 100 m vor mir.
Obwohl ich ihn noch nie gesehen hatte, wusste ich sofort, wer da vor mir saß.
Schnell schoss ich einige Belegaufnahmen.
Zuhause suchte ich den Kontakt mit der Biologischen Station Wesel und meldete dort meine Sichtung. Die Ornithologen waren aus dem Häuschen und baten mich ihnen die genauen Umstände dieser Sichtung, mit den Belegaufnahmen, zukommen zu lassen. Im Kreis Wesel kannte man bislang nur ein Winterrevier des Raubwürgers, und zwar in einem Heidegebiet nahe dem Ort Dingden. Man würde dieses neue Vorkommen in der Üfter Mark umgehend kartieren.
Einen Tag später meldete sich die Biologische Station wieder und bat mich die Aufnahmen an die Nordrhein-Westfälische Ornithologen Gesellschaft weitergeben zu dürfen.
Mich hat diese erste Sichtung eines Raubwürgers in meiner Heimat jedenfalls sehr gefreut.
Ich möchte nur alle Leser bitten, Augen und Ohren aufzuhalten und ungewöhnliche Sichtungen an entsprechende Biologen in ihrer Heimat weiterzuleiten.
Diese Fachleute können nicht überall sein. Daher sind Sie, verehrte Leser, Auge und Ohren der Wissenschaft. Ihre Beobachtungen sind wertvoll. Machen sie mit!
Gerd Tersluisen
(Hegering Gladbeck)
Quellen:
- Enzyklopädie der europäischen Vogelwelt. Verlag Tosa
- Die Vögel des Rheinlandes (Nordrhein) Ein Atlas zur Brut- und Wintervogelverbreitung 1990-2000. Verlag Natur in Buch und Kunst
