Kie-rep, kie-rep, so klang der Ruf des Rephuhns (alte Schreibweise). Dieser Ruf gab dem kleinen Hühnervogel seinen Namen.

Noch vor 1 ½ Generationen drang er an unser Ohr.

Um ihn zu vernehmen, musste unser morgendlicher Pirschgang an einem Kleeacker, einem Rübenfeld oder einem Wiesenrain vorbeiführen. Der kleine Hahn, rief dort sein Volk zusammen.
Ein geschickter Lockjäger konnte mit ihm akustisch in Verbindung treten, indem er durch Saugen auf den Linien der Handinnenflächen und gleichzeitigem Drehen der Saugfläche, den Ruf des Rebhuhns geschickt nachahmte.

Die Bejagung des ehemals stark vertretenen Vogels war schon damals eine seltene Ausnahmegelegenheit. Ich habe, während meiner Jagd mit der Flinte, in Weinbergen und in Moorgebieten noch starke Ketten angetroffen. Diese Ketten wurden von den einladenden Jagdherren geschont und damit nicht zur Bejagung freigegeben. In meinem langen Jägerleben habe ich kein einziges Huhn erlegen dürfen.
Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft ging es mit dem kleinen graubraunen Vogel bergab. Europaweit gibt es, Stand 2025, einen Rückgang des Besatzes um 94%.

Der Vogel fristet heute in ganz Europa nur noch ein Randdasein

Das Rebhuhn benötigt Insekten zur Aufzucht seiner Jungen. Es benötigt Deckung als Schutz gegen Fressfeinde, eine unkrautreiche Feldflur, Staubbäder und eine wirkungsvolle Bejagung seiner Prädatoren. Sind diese Dinge nicht ausreichend vorhanden, geht das kleine Wildhuhn (Rebhuhn) den gleichen Weg wie unser Birkwild. Es verschwindet völlig.

Aber, das macht uns nicht hoffnungslos.

Es gibt immerhin Bücher zur Vogelbestimmung. In ihnen können wir ja sehen, wie ein Rebhuhn aussieht. – Ist das nicht tröstlich?

Was können wir für unsere zerstörte Natur noch tun?

Um etwas für die Natur und damit auch für unser Rebhuhn zu tun, sollten wir weiterhin
Brachflächen einfordern. Zur Zeit des Brachflächenprogramms der EU gab es noch genügend Insekten und eine gesunde Restnatur. Damals wurden die Landwirte und Bauern vernünftig bezahlt. Für sie lohnte sich das Programm. Es wurde jedenfalls zu einem Teil ihrer Arbeit.

Die EU wollte in jüngerer Vergangenheit ein ähnliches Modell auflegen. Mit ihm sollte die Artenvielfalt im Bereich der Union wieder gefördert werden. Man schlug vor, 8% unserer Ackerfläche der Natur zu überlassen. Während der vorbereitenden Diskussionen schaffte es die Lobby der Bauern und Landwirte diesen Prozentsatz auf eine verpflichtende Stilllegung von 4% der Ackerfläche abzusenken.

Durch den Getreideausfall der kriegsgeschwächten Ukraine erfolgt nunmehr eine Teilnahme an diesem Programm nur noch freiwillig. Eine Verpflichtung wurde abgeschafft.

Damit haben sich alle Hoffnungen auf eine Gesundung unserer Natur wieder einmal zerschlagen.

Solange die EU sich nicht zufriedenstellend mit den Landwirten und Bauern einigt, ist eine Verbesserung der Artenvielfalt auf ihrem Gebiet ausgeschlossen.
Insekten sind die Basis des Lebens um uns herum. Ihre Lebensmöglichkeiten wieder herzustellen, muss unsere größte Aufgabe sein.

Naturschutz geht uns alle an. Er ist für Tiere und Menschen lebensnotwendig und daher auch von uns zu bezahlen.

Der Vogel des Jahres 2026

Wie jedes Jahr wurde auch in diesem Jahr, durch den NABU, der Vogel des Jahres gewählt.
Die Wahl fiel auf unser Rebhuhn. Sie rückt damit unsere stark gefährdeten letzten Hühnervögel ins Rampenlicht. Die Amsel, die Waldohreule, die Schleiereule und der Zwergtaucher, waren Mitbewerber. Sie lagen allerdings mit ihrem Stimmenanteil weit hinter den Stimmen des kleinen Wildvogels.
Mit dem Rebhuhn hat man einen würdigen Vertreter unserer Vogelwelt gefunden. Er kann, wie kaum ein anderer, die Öffentlichkeit wachrütteln und auf seine Probleme aufmerksam machen.
Hoffentlich kommt wieder einmal die Zeit, in der Rebhühner und Fasane in den Sandkästen unserer Kinder hudern. Meine Frau, meine Kinder und ich durften genau das erleben. Wir denken noch heute gerne an diese Erlebnisse zurück und sind dafür sehr dankbar.
Wie kein anderes, zeigt das beigefügte Foto die Probleme des Rebhuhns. Ich konnte zu Diazeiten einige Aufnahmen dieser kleinen Wildhühner schießen. Seitdem ich die digitale Fotografie nutze, ist mir das erst ein einziges Mal gelungen.

Beim morgendlichen Entsorgen unseres Hausmülls, sah ich dieses Huhn in Nachbars Vorgarten. Schnell stellte ich die Beutel ab, sauste ins Haus, schnappte meine Kameraausrüstung und flitzte wieder zu den Mülleimern. Ich glaubte es kaum. Das Huhn stand doch tatsächlich noch immer in den Stiefmütterchen und ließ zehn Aufnahmen zu. Vorsichtig zog ich mich zurück.

Die Hühner haben offensichtlich im Offenland so geringe Lebensmöglichkeiten, dass sie sich selbst im Bereich menschlicher Wohngebiete neue Territorien suchen.

Das sollte uns doch nachdenklich stimmen. Lasst uns den Lebensraum des Rebhuhns verbessern. Lasst uns Brachflächen schaffen.

Gerd Tersluisen
(Hegering Gladbeck)

Quelle: Internet NABU zum Vogel des Jahres 2026