Wer kennt ihn nicht, unseren kleinen Mineur mit seinem schwarzen, grau überpuderten Samtpelz?
Derjenige, der ihn noch nie sah, kennt auf jeden Fall die Maulwurfshaufen, seine kleinen Hinterlassenschaften. Den Gartenfreunden tut ihr Vorhandensein weh. Alle anderen Naturliebhaber freuen sich aber über diese Lebenszeichen unseres kleinen Pelzkittels. Er ist ein geschützter Kerbtierfresser, ein gern gesehener Mitbewohner unserer Landschaft.
Sein Körperbau
Die Augen des Maulwurfs sind sehr winzig, sodass sie nur als mohnkorngroße Punkte wahrnehmbar sind. Ohren und Schnauze sind kaum zu erkennen und durch Hautfalten verschließbar. Die nach seitlich-außen gerichteten Vorderfüße sind große Grabschaufeln. Sie besitzen kräftige Krallen. Der ganze Körperbau des Maulwurfs ist walzenförmig und seiner Grabtätigkeit angepasst. Putzig ist sein kleiner ca. 3 cm langer nackter Schwanz, der vereinzelt abstehende Borsten zeigt.
Wo lebt er und wie verhält er sich?
Er wird vorwiegend in Gegenden mit fettem, lockerem und nicht allzu nassem Boden angetroffen. Der Boden muss allerdings feucht genug sein, um den Regenwürmern, seiner Hauptnahrung, das Dasein zu ermöglichen. Trotz seines plumpen und unförmigen Aussehens läuft der Maulwurf sehr gut auf dem Erdboden. Viel weniger bekannt dürfte es sein, dass der kleine Samtkittel auch hervorragend schwimmt. Er schwimmt nach Art des Hundes durch gleichmäßiges Bewegen seiner Beine. Kopf und Rücken schauen dabei aus dem Wasser.
Ein Meister bergbaulicher Tätigkeit
Aber erst unter der Erde ist der Maulwurf ein wahrer Meister. Beim Bau seiner Burg legt er eine Kunstfertigkeit an den Tag, wie kaum ein anderes Tier unserer Heimat.
Seine Burg ist ein weitverzweigter Röhrenbau mit einer großen, mit Blättern und Gras ausgepolsterten Wohnkammer. Die Röhren haben verschiedene Gänge und führen zu den eigentlichen Jagdröhren, die durch Querstollen miteinander verbunden sind. Ein besonderer Laufgang dient, bei Gefahr und Verfolgung, als Notausgang.
Manchmal baut sich der kleine Wühler auch senkrecht fallende Schächte von nahezu 1 m Länge. Sie dienen der Ansammlung von Regenwürmern (Fallgruben). Außerdem buddelt der Maulwurf auf seinen Jagdzügen ununterbrochen neue Gänge. Die überschüssige Erde wird in kleinen Mengen nach oben transportiert und bildet dort die Maulwurfshaufen.
Seine Nahrung
Seine Nahrung besteht aus Regenwürmern, Kerbtieren aller Art und aus Engerlingen. Der Maulwurf benötigt große Futtermengen, da er, wie alle Kerbtierfresser, nur kurze Zeit ohne Nahrung überleben kann. Da der Maulwurf auch im Winter unter der Erde gut mit Nahrung versorgt wird, hält er keinen Winterschlaf.
Hin und wieder erscheint er im Jagdeifer an der Erdoberfläche. Dort besorgt er sich auch das Polstermaterial für seinen Wohnkessel.
Seine Vermehrung und seine Feinde
Das Weibchen wirft einmal im Jahr, Ende April oder Anfang Mai, 3 – 4 Junge. Die Geschlechter leben getrennt und führen ein sehr ungeselliges Leben.
Seine Feinde sind Fuchs, Steinmarder, Wiesel, Waschbär, Sauen, Eulen, Storch, Reiher, Katz und Hund. Die beiliegende Aufnahme zeigt einen verendeten Maulwurf, den ich auf meinen Pirschgängen fand. Sie zeigt sehr deutlich seine gewaltigen Grabwerkzeuge.
Vor dreißig Jahren hatte sich ein Maulwurf im Kellerabgang unseres Hauses gefangen. Mit einem Eimer transportierte ich ihn auf eine benachbarte Schafsweide und ließ ihn dort frei. Sofort buddelte er sich ein. Dabei machte ich Aufnahmen des halb verschwundenen Maulwurfs und seines putzigen Schwänzchens. – Während meiner langjährigen Arbeit mit Schulkindern zeigte ich ihnen die Aufnahmen des Schwänzchens. Sie sollten das Tier erraten, dem dieser Schwanz gehört.
Zu meiner großen Überraschung wussten sämtliche Kinder die richtige Antwort.
Man sieht daran, Die Sendung mit der Maus zeigte schon vor über 30 Jahren ihre positive Wirkung.
Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)
Quellen:
Ludwig Zukowsky „Aus Wald und Flur“ Tiere unserer Heimat · „Welches Tier ist das?“ Verlag Kosmos 1956
