Das neue Jahr begann gleich mit zwei Botschaften unseres Kollegen Hiob, es begann mit zwei gewaltigen Paukenschlägen.

Gefährliche Verwechselung. 77-jähriger Jäger schießt auf Spaziergängerin.

Zuerst kam die Meldung, dass am 07.01.2026 in Niedersachsen ein 77-jähriger Jäger auf eine Spaziergängerin geschossen und sie am Oberschenkel schwer verletzt hat. Die Spaziergängerin war mit ihrer Familie im Schnee unterwegs, als sie der Schuss traf. Die anderen Familienmitglieder blieben unverletzt. Der Schütze gab an, sie mit Wild verwechselt zu haben. Seine Waffe wurde beschlagnahmt.

Zuerst spreche ich an dieser Stelle der schwer verletzten Spaziergängerin mein tiefstes Mitgefühl aus und sende ihr die besten Genesungswünsche.

Haben wir nicht alle einmal gelernt: „Das ist des Jägers höchst Gebot: Was du nicht kennst, das schieß nicht tot!“

Wenn der Schütze sich auch nur im Geringsten an dieses Gebot gehalten hätte, wäre es niemals zu solch einer Verwechselung gekommen. Ich möchte mich nicht weiter zu diesem Fall äußern.

Nur so viel: Ich empfehle dringend, dass jeder Jäger bei Erreichen des 70. Lebensjahres seine eigene physische und psychische Leistungsfähigkeit objektiv überprüft.

Die meisten Menschen leben in diesem Alter nur mit Hilfe der modernen Medizin und der Pharmazie. Die reichlichen Tablettengaben beeinträchtigen aber ihre vorgenannten Leistungsfähigkeiten. Das muss man einsehen, will man weiter mit einer Waffe in der Hand jagen. Man muss erkennen, dass man gealtert ist und nun den Platz für jüngere Jäger freimachen sollte. Es kann doch nicht sein, dass man starrsinnig weiter nach dem Spruch lebt: “Einmal Jäger, immer Jäger!“

Ich traf vor Jahren bei der Verlängerung meines Jagdscheines einen älteren Jäger, der auf dem Weg zur Unteren Jagdbehörde torkelte. Er konnte sich kaum auf den eigenen Beinen halten. Da der Mitarbeiter der Behörde ihn aufgrund seines Gesundheitszustandes aufforderte ein ärztliches Attest vorzulegen, spuckte dieser Mann Gift und Galle. Kein Arzt wird ihm einen Persilschein zur Verlängerung seines Jagdscheines ausgestellt haben. Gut, dass es die Vorschriften zur Jagdscheinverlängerung gibt. Dieser Herr hätte weiterhin eine Waffe geführt.

Mit 77 Jahren ist, meiner Ansicht nach, für jeden Jagdscheininhaber „Hahn in Ruh“.

Ich selbst habe nach 53 Jahresjagscheinen die heiße Jagd aufgegeben, engagiere mich nur noch ehrenamtlich im Hegering, bin mehrfach die Woche im Revier und betreibe die Jagd mit der Kamera. Auslöser war ein leichter Tremor in meiner rechten Hand, der zu zwei Fehlschüssen führte. Die gingen eindeutig zu Lasten des Wildes. – Und glauben sie mir, die Aufgabe der aktiven Jagd tat überhaupt nicht weh!

Ich urteile nicht gerne über eine Sache, deren Hintergründe ich nicht genau kenne. Doch eine Familie mit Wild zu verwechseln ist einfach unglaublich. Das allein reicht, um von diesem Prinzip abzuweichen.
Zum Ansprechen des Wildes hat der Unglücksschütze mit Sicherheit kein Doppelglas genutzt. Das Ansprechen erfolgte wahrscheinlich nur über das Zielfernrohr.

So wird leider heute von sehr vielen Jägern gejagt.

Kurz darauf folgt im WDR die Meldung:

Tödlicher Jagdunfall in Warburg: 23-jähriger aus Paderborn gestorben.

Was war geschehen? Vier Freude, im Alter zwischen zweiundzwanzig und vierundzwanzig Jahren gingen gemeinsam zur Jagd. Das spätere Opfer bestieg eine Kanzel. Der zweiundzwanzigjährige Schütze saß nach ersten Aussagen mit zwei Begleitern auf einer Nachbarkanzel. Die Kanzeln hatten einen Abstand von ca. einhundert Metern.

Aus bisher unbekannten Gründen löste sich ein Schuss aus der Waffe des zweiundzwanzigjährigen Jägers und traf seinen Freund tödlich im Schulterbereich. Der Freund verblutete noch an der Unglücksstelle. Die Polizei ermittelt nun gegen den Schützen. Geprüft wird, ob der Unglückschütze ein Nachtsichtgerät vor sein Zielfernrohr gesteckt hatte. Außerdem wird noch die genaue Schussrichtung anhand des vorgefundenen Schusskanals überprüft.

Die Ermittler waren noch einmal am Tatort, um mehr über die Umgebung herauszufinden. Teil der laufenden Ermittlungen sind zum Beispiel die Sichtverhältnisse und der genaue Abstand der beiden Hochsitze. Außerdem teilte die Polizei mit, dass sie noch nicht sicher feststellen konnte, ob sich alle Beteiligten überhaupt auf dem Hochsitz aufgehalten haben.

Die Jagd, insbesondere die Nachtjagd, steht daher erneut im Zentrum behördlicher Untersuchungen. (RWJ-NRW)

Ich hoffe, dass ich demnächst weitere Ergebnisse der Ermittlungsbehörden erhalte.
Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. Die Jägerschaft in NRW ist jedenfalls entsetzt.

Doch nun zur kommenden Jagdzeit.

Haben Sie die Zeit genutzt, um die Kanzeln, die Ansitzleitern und die Stege über Gräben auszubessern? – Haben Sie ihren Hund mit Übungsarbeiten auf die kommende Zeit vorbereitet? – Haben Sie mit ihren Waffen den Schießplatz besucht und dort geübt? – Haben Sie ihre Wildäcker bestellt?

Jetzt ist es an der Zeit, die letzten Wildbestandsaufnahmen zu machen. Nutzen Sie die Zeit zu Gesprächen mit Ihren Jagdgenossen. Ein gutes Verhältnis zu ihnen ist sicherlich keine schlechte Idee. Von ihnen können Sie manche Dinge über das Revier erfahren, von denen Sie nichts erahnen. Während Sie die Kosten für die Jagdpacht und den Wildschaden verdienen müssen, sind diese Männer im Revier. Sie sehen, hören und erleben viel. Ihr Wissen ist für Sie sicherlich sehr nützlich.

Die Natur explodiert gerade. Überall erscheint der Nachwuchs unserer Wildtiere. Das ist für viele Jäger und Naturfreunde die schönste Zeit des Jahres.

Ein Aufruf für die kommende Jagdzeit: Bitte nutzen Sie zur Naturbeobachtung und zum Ansprechen des Wildes stets ihr Doppelglas. Nur mit diesem Glas lernen sie das Revier kennen und unser Wild auch verstehen. Das Zielfernrohr wird dieses Glas niemals ersetzen können.

Denken sie stets an den Lehrsatz:
„Das ist des Jägers höchst Gebot: Was du nicht kennst, das schieß nicht tot!“

Beachten Sie immer Ihr Umfeld vor der Schussabgabe. Spaziergänger können überall auftauchen. Achten Sie auf einen vorhandenen Kugelfang. Achten Sie auf unser aller Sicherheit.

Waidmannsheil und stets ein unfallfreies Jagen. – Genießen Sie die Natur.

Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)

Quellen:
WDR Studios NRW vom 14.01.2026 · Rheinisch-Westfälischer Jäger 2/26