Ein seltener Brutvogel in NRW: Das Schwarzkehlchen

Von Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)

Regnerisch war es und ein leichter Wind wehte am frühen Sonntagmorgen. Ich verspürte nur wenig Lust, nass zu werden.

Der Hund forderte sein Recht und da es ohne Wild und ohne Jagdfotografie nicht geht, schnappte ich mir meine Kamera, leinte den Hund an und fuhr zur Üfter Mark. Direkt neben dem Haupttor stand ein sehr guter vierjähriger Bock und äugte gespannt in Richtung einer Bache mit Frischlingen, die sich langsam in einen Birkenanflug vor der Hauptverkehrsstraße schoben. Das war es. 14 Aufnahmen des Bockes wurden geschossen, bis der Kerl sich verdrückte. Die Bache mit den dazugehörenden Frischlingen konnte ich nicht auf den Chip bannen. Die Rotte bewegte sich im Unterholz und wurde nie frei. Ich aber pirschte weiter, bis zur Besucherhütte am Hauptbrunftplatz. Dort wollte ich abwarten und beobachten, was sich vor mir beim Einwechseln zeigte.
Der Revierleiter hatte die Vegetation vor der Hütte kupieren lassen, damit der Ausblick wieder stimmte.

Ich baute mein Stativ mit der Kameraeinheit auf und harrte der Dinge die da kommen würden. Plötzlich saß auf dem höchsten Wipfel des kupierten Unterwuchses ein männliches Schwarzkehlchen.

Die Entfernung betrug sagenhafte 7 – 10 Meter. Für die mir zur Verfügung stehende Optik mit einer rechnerischen Brennweite von 1400 mm, war das eine Entfernung der Sonderklasse. 12 Aufnahmen des Vogels mit der wunderbaren schwarz-weiß-braun Zeichnung gelangen mir und, was noch besser ist, nicht nur der Hintergrund stimmte, sondern auch die Tatsache, dass das Auge des Vogels in allen Fällen durch einen Lichtfleck strahlte und zu erkennen war. Das ist bei Vögeln mit dunklem Kopf selten der Fall.
An gleicher Stelle und auf ähnliche Entfernung fotografierte ich vor einem Jahr das Männchen eines Rotrückenwürgers (Neuntöters). Dussel muss man haben. Ich habe schon oft Schwarzkehlchen fotografiert. Aber die Entfernung betrug nie unter 30 Meter, weil nirgendwo der Aufbau eines Fotozeltes möglich war. Mir gelangen daher Aufnahmen vom Schwarzkehlchen im zugehörenden Lebensraum, aber keine einzige Habitus – Aufnahme.

Das Lied des Schwarzkehlchens besteht aus einer Reihe kratzender und pfeifender Motive. Es wird stets vom obersten Ast eines kleinen Busches, den es als Singwarte nutzt, vorgetragen. Die Länge des Vogels beträgt 12,5 cm, die Spannweite 18-21 cm. Der Vogel hat ein Gewicht von 13-18 g. Es ist damit kleiner als das Rotkehlchen.

Das Männchen ist an Kopf und Kehle dunkel braunschwarz. Zwei deutliche Halsseitenflecken grenzen den dunklen Kopf vom übrigen Gefieder ab. Mantel und Schirmfedern sind einheitlich dunkelbraun. Brust und Flanken strahlen in einem warmen orange. Zur Bauchmitte hin und auf den Unterschwanzdecken ist sein Gefieder mehr grauweiß.

Die Weibchen sind viel matter gefärbt und oben bräunlich gesprenkelt. Die Jungvögel grauer und kräftig gesprenkelt. Die Vögel bauen ein Napfnest am Boden aus trockenen Stängeln und Blättern, ausgepolstert mit Haaren, Federn oder Wolle. In dieses Nest legen sie vier bis sechs blaue bis grünlichblaue rostfarben gesprenkelte Eier. Im größten Teil ihres Verbreitungsgebietes sind Schwarzkehlchen Standvögel. Nur die mittel- und osteuropäischen Populationen ziehen im Spätherbst  nach Nordwesteuropa bis Afrika, besonders ins Mittelmeergebiet.

Brutverbreitung in NRW:
Die Brutplätze liegen im ges. südlichen Bereich in NRW und nehmen nach Norden und von West nach Ost hin stark ab. In den Niederlanden ist der Vogel weit verbreitet. Die Brutplätze benötigen gut strukturierte offene Habitate (Heide, Moore, Grünland, Windwurfflächen, Ruderalflächen, Weinberge, Bahndämme etc.), die z. T. nur temporär besetzt werden und bei fortschreitender Sukzession verwaisen. Ab 1965 ging die Population der Schwarzkehlchen in NRW, durch Wegfall geeigneter Habitate, von 2500 Brutpaaren auf 400-500 Brutpaare zurück.

Quellen: „Die Vögel des Rheinlandes (Nordrhein) Band 36“ herausgegeben von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologen Gesellschaft (NWO)
„ Enzyklopädie der europäischen Vogelwelt“ Tosa-Verlag