Vorwort (Heft 2/2019 Der Wildhüter)
Fällt diese Jahreszeit in Zukunft etwa aus? Nasse und kalte Wintertage wurden schlagartig vom Sommer vertrieben. Temperaturen so um die 0 ° Celsius wurden von 25 ° im Schatten abgelöst. Das Wild „stöhnte“ unter der Wärme seiner noch vorhandenen Winterdecke und hatte Mühe, sich von ihr zu befreien.
Schon im
vergangenen Jahre hatten wir ähnliche Verhältnisse und beklagten damals eine
außergewöhnliche Hitze mit folgender Dürre. Warnungen vor Waldbrandgefahren im
April. Wann gab es so etwas schon einmal?
In NRW profitierte offensichtlich der Hase von dieser Wetterlage.
Die Wärme ließ keine großen Krankheitswellen auf Meister Lampe zurollen und so
konnten sich seine Besätze, trotz schlecht gefüllter Hasenapotheke, wieder
sichtbar erholen. Natürlich spielte auch die Bejagung der Prädatoren eine
maßgebliche Rolle. In meinem Heimatrevier werden seit zwei Jahren weder Hase,
Kaninchen, Fasan noch Ente gejagt. Auf die stimmungsvollen „Klüngeljagden“
wurde freiwillig verzichtet. Dafür stand die Bejagung der Prädatoren oben an.
Wir wollten einfach einmal versuchen, die Besätze wieder spürbar anzuheben und
unserem Niederwild zu helfen.
Ob dieser Verzicht Früchte trug? Wir werden es sehen.
Wie in anderen Bundesländern, wird auch
in NRW die Staupe wieder ein Thema.
Vermehrt wurde sie beim Fuchs nachgewiesen. Aber auch Marder, Waschbären
und Wölfe können sich infizieren. Nach einer Infektion nicht geimpfter Hunde
gibt es für sie keine Rettungsmöglichkeit mehr. Katzen oder Menschen werden
durch diese Viruskrankheit nicht gefährdet.
Die Staupe äußert sich durch Erbrechen, Fressunlust, Atemnot, eitrigen
Nasenausfluss, Lähmungen und epileptische Anfälle. Ihre Übertragung erfolgt
über Kot, Urin oder über Körpersekrete. Schon ein normaler Waldspaziergang kann
zur Infektion führen.
Daher muss jeder Hund dauerhaft und pünktlich gegen Staupe geimpft werden.
Beachten Sie bitte folgende Hinweise:
Die konsequente Impfung aller Hunde gegen Staupe ist ein wesentlicher Punkt der
Krankheitsbekämpfung. Er trägt letztlich auch zum Schutz aller Wildtiere bei.
Gerade in der Fortpflanzungszeit tritt diese Krankheit vermehrt auf. Wie alle
Infektionskrankheiten ist auch sie dichteabhängig.
Bejagen Sie das Raubwild fach-, sach- und tierschutzgerecht. Die Bejagung
fördert die Gesundheit des Wildes und die unserer Haustiere.
Eine gute Möglichkeit zur Bekämpfung der
Staupe ist die konsequente Bejagung des Fuchses.
Gerade in den kommenden drei Monaten bieten sich im Revier viele Gelegenheiten
den Zuwachs der Sippe Reinickes abzuschöpfen. Selbst während der Blattzeit ist
die Reizjagd auf den Fuchs angesagt. Stecken Sie neben dem Blattinstrument, die
Kaninchenklage, die Hasenquäke, den Vogelangstruf und das Mausepfeifchen in die
Tasche Ihrer Jagdjacke und setzen Sie diese Locker auch ein.
Hier ist jagdliches Können gefragt. Und glauben Sie mir, der Schuss auf den
Rotrock stört den Rehbock in keiner
Weise. Voraussetzung: Sie bergen den Meister Reinicke erst nach dem Ansitz.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein unbeschwertes Jagen. Genießen Sie Ihre Passion in vollen Zügen. Freuen Sie sich auf wunderschöne Blattjagderlebnisse.
Waidmannsheil
Ihr Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)
