Nachtziel-Technik: Gezielte Provokationen

Unter dieser Überschrift erschien im“ Rheinisch – Westfälischer Jäger“ Heft 4/2019 ein entsetzter Aufschrei des verantwortlichen Redakteurs, über „Europas größte Fachmesse für Sportwaffen, Optik und Zubehör“ in Nürnberg und der dort angebotenen Nachtzieltechnik.
Wie schon auf der „Jagd und Hund in Dortmund“ und der „Hohe Jagd in Salzburg“, ich zitiere: „bestätigte sich auch in Nürnberg ein wahrer Hype um alles, mit dem sich auch in völliger Dunkelheit schießen lässt.“

Dem Bericht kann entnommen werden, dass der Gesamtjahresumsatz der „Player“ dieser Szene mittlerweile erkennbar über dem der Jagdoptik-Firmen Zeiss und Swarovski liegt. Im Bericht folgt ein Hinweis auf die gültige Gesetzeslage in Deutschland. Die stört offensichtlich die Anbieter von Vorsatz-Technik oder echten Nachtzielgeräten nicht, blieb sie doch auch in der Vergangenheit ohne jeglichen negativen Einfluss auf deren Geschäftsentwickelung. Ich zitiere: „Auch wenn viel darauf hindeutet, dass bei einem Ausbruch der ASP solche Verbote zumindest für Vorsatzgeräte schnell fallen werden, sollte man sich trotz aller Dreistigkeiten auf Jagdmessen darüber im Klaren sein, dass man bis dahin mit seinem Jagdschein spielt, wenn man bei Fahrzeug- oder Tresorkontrollen mit Nachtziel-Technik auf der Waffe erwischt wird. Nur, dass wir das mal klargestellt haben.“  Ende des Zitats.


Dieser Bericht erscheint mir wie eine gezogene Notbremse und ein Hinweis für alle „Dummköpfe“, doch die erworbenen Geräte unabhängig von Waffen zu transportieren und aufzubewahren.
Die Aussage: …“das bei einem Ausbruch der ASP solche Verbote schnell fallen werden…“
macht den kritischen Leser doch sehr nachdenklich. Schaffen es die „Player“ sogar, Einfluss auf unsere Gesetzeslage zu nehmen? – Über den ASP – Ausbruch in Belgien kann man sich nunmehr sicherlich seine eigenen differenzierten Gedanken machen. Und bei denen fühle ich mich nicht wohl.

Schon im Januar des Jahres 2008 schrieb ich an diverse Jagdzeitschriften, wie auch an den Rheinisch – Westfälischen Jäger. Ich wies darauf hin, dass in einer einzigen Zeitschrift bis zu 14 (vierzehn) Anzeigen zum Thema „Nachtsichtgeräte“, die die Zieloptik nachtsichtfähig machen, geschaltet seien. Ebenfalls wies ich auf die damit verbundene rechtliche Problematik hin. Von allen Zeitschriften und vom LJV NRW bekam ich nahezu gleichlautende Antworten. Aus Ihnen ging hervor, dass man nicht auf die Einnahmen aus diesen Anzeigen verzichten könne. Die Nutzung solcher Geräte oder allein schon deren Besitz seien zwar verboten, aber jegliche Werbung für sie wäre juristisch nicht zu beanstanden.

Seltsamer Weise erschienen seitdem in allen Jagdzeitschriften Hinweistafeln, die Auszüge aus dem Waffengesetz und dem Bundesjagdgesetz wiedergeben. Als die Landwirtschaft mit Blick auf ASP eine 70% Reduzierung der Bestände des Schwarzwildes forderte, schalteten die „Player“ umgehend ganzseitige Anzeigen mit dem Foto eines starken Keilers und dem Hinweis, dass man der Jägerschaft bei den anstehenden Nachtjagdproblemen doch helfen könne. Auch an diesen Anzeigen verdiente die Jagdpresse.

Daher ist es für mich völlig unverständlich, dass diejenigen, die letztlich das Geschäft mit
der hier angeprangerten verbotenen Nachtzieltechnik durch Werbung fördern und daran seit 15 Jahren verdienen, nunmehr Krokodilstränen weinen.

Der Geist ist aus der Flasche. Ihn bekommt niemand wieder zurück.

Übrigens: Nicht nur die Nachtzieltechnik ist juristisch anzuprangern. Neben ihr werden auf den großen Jagdmessen, aber auch in den Jagdzeitschriften, aufsteckbare Lichtquellen für die Nachtjagd oder elektrische Krähenlocker mit „sechs Krähen-, zwei Eichelhäher- und zwei Elsterlauten“ angeboten, deren Einsatz in Deutschland verboten ist. In den entsprechenden Verkaufshallen traktiert man die Besucher mit diesen Klangattrappen. Man fühlt sich offensichtlich selbst wie eine Krähe und wird von dem Geplärre magisch angezogen. Ich habe einen Interessenten auf das Einsatzverbot dieser Geräte hingewiesen und bekam die Antwort:“ Das weiß ich. Die Dinger sind aber sehr wirksam!“
Ich frage mich, ob es nicht möglich ist, die Werbung für diese Geräte durch ein freiwilliges Werbeverbot zu unterbinden. Ich frage mich, ob es nicht möglich ist, den Verkauf all dieser Geräte den ausstellenden Firmen auf großen Messen zu untersagen. Veranstalter dieser Messen sind schließlich meist die organisierten Jägerschaften und zu deren Aufgaben gehört „Die Pflege und Förderung der anerkannten Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit“.


Diesen Bereich ihrer Aufgaben haben unsere Spitzenverbände hier offensichtlich völlig vergessen.

Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)

Quelle: Rheinisch – Westfälischer Jäger 4/2019