Montag, den 04.04.2016 Wanderung mit der Klasse 3B unter Leitung von Frau Schulz und einer jungen Referendarin.

Die diesjährigen Wanderungen mit den Kindern der Josefschule wurden von Herrn Schumacher vom digitalen Jagdfunk, begleitet und akustisch in Szene gesetzt. Herr Schumacher hatte schon die Unterrichte verfolgt und aufgenommen. Er will hier aus der Einheit Unterricht-Wanderung eine Digitalkonserve schaffen, die die breite jagdlich interessierte Öffentlichkeit hoffentlich auch anspricht. Schon morgens um 6.45 Uhr stand der Rundfunkmann an der Josefschule, hatte seine Labradorhündin und ein Parforcehorn mitgebracht, verkabelte mich sofort und schritt zur Tat. Im Wäldchen am Kindergarten trommelte der erste Buntspecht. Er versuchte eine Partnerin von seiner Kraft und Kondition zu überzeugen.
Die Kinder waren bestens drauf und freuten sich auf die Wanderung. Das Wetter spielte mit. Sonne und Bewölkung lösten sich ab. Bei Temperaturen von ca. 15° blieb es trocken. Auf dem Hof Im Winkel begrüßte uns Bauer Bernd und führte den Schülern die Geheimnisse der Lebensmittelherstellung vor. Eine Menge Infos strömten auf die Kinder ein und wurde mit dem bäuerlichen Trichter fest in ihren Gehirnen verankert. Mit einem dreifach gebrüllten Danke – Danke- Danke, bei denen sich die Dachpfannen auf Im Winkels Haus anhoben, bedankte sich die Klasse, um anschließend die Wanderung durch Wald und Feld zu beginnen.
Beim Blasen blamierte ich mich mächtig, da meine Lippenspannung nicht für die Darstellung eines einzigen kleinen Signals reichte. Wie gut, dass Herr Schumacher es besser konnte. Er rettete mit seinem Horn die Situation.
Auf dem Vossbrink schlichen wir voran. Bauer Bernd hatte auf der rechten Seite des Weges viele neue Bäume als Heister gepflanzt. Diese neuen Bäumchen begeisterten offensichtlich einen starken Rehbock so sehr, dass er einen der reichlich vorhandenen Baumjünglinge fürs Leben zeichnete. Die Rinde des Bäumchens hing in Fetzen herunter und eine weiße rindenlose Stelle am Stamm leuchtete den Kindern entgegen. Hier konnten meine kleinen Freunde die ersten Hinweise auf Wildtiere finden, mit denen wir unsere Umwelt teilen.

Auf der Westseite, an Bernds Wäldchen, zeigte sich eine einzelne Ricke die dort äste und langsam im Busch verschwand. Wir suchten und fanden Trittsiegel des Rehwildes, konnten aber weder Hasen, noch einen einzigen Fasan ausmachen. Nirgendwo zeigte ein Federhaufen, dass hier der Habicht Beute gemacht hatte. Ja, am Vossbrink scheint nur ein einzelner starker und alter Bock zu Hause zu sein. Dreijährige Böcke, die hier in der Vergangenheit ihren Einstand genommen hatten, fegten jeden dritten Baum. Heute aber fanden wir nur zwei Fegestellen und die an recht kräftigen Stämmchen mit sicherlich 5 cm Durchmesser.

Am Ende des Weges, unmittelbar vor der Hegestraße hatten Sauen gehaust. Nicht die schwarzen, leckeren, sondern so genannte Umweltsauen, die ihren Müll in die Landschaft geworfen haben. Die Kinder wussten, was sich gehört und wo solch ein Müll deponiert werden kann. Am Ruhehorst fanden wir nicht nur Froschleich, sondern auch vier platte Kröten. Das war natürlich der Aufhänger für ein umfangreiches Gespräch über die Amphibien und deren Hang, immer wieder an ihren Geburtsort zurückzukommen und dort zu laichen.

Die wohlverdiente Frühstückpause verbrachten wir auf den Bänken und vor den Tischen am Waldpädagogischen Zentrum. Schlüpfende Küken wurden von den Kindern bestaunt und ein Kastanienkeimling zeigte ihnen, dass alles Leben aus dem Ei kommt, selbst das einer Pflanze. Auch bei uns Menschen ist das nicht anders. Dieses Ei, das auch für uns der Anfang des Lebens ist, reift in einem Nest heran, das wir Gebärmutter nennen und das die Mama in ihrem Bäuchlein trägt. Das ist halt bei allen Säugern so. Und zu denen gehören wir ebenfalls.

Schnell wollten alle Kinder die von ihnen gepflanzten Setzlinge im Pflanzgarten besuchen. Ja, sie waren stolz, dass i h r Bäumchen hier heranwuchs und jeder meinte, s e i n Bäumchen wiederzuerkennen. Ich konnte beobachten, dass die Pflanzaktion eine große Wirkung bei den Kindern zeigt. Die Kinder hängen mit ihren Herzen an den von ihnen gesetzten Pflanzen. Herr Summsemann, der im normalen Leben auf den Namen „Schepers“ hört, wartete auf uns. Er übernahm die Hälfte der Klasse und zeigte ihr seine vielen Mitarbeiter. Herr Summsemann ist ein bedeutender älterer Herr. Er ist der Chef eines riesigen Unternehmens mit mehreren hunderttausend Mitarbeitern. Herr Schumacher, meine kleinen Freunde und Frau Schulz ließen sich die Lebens- und Arbeitsweise der Mitarbeiter unseres Herrn Summsemann, seiner fleißigen Bienen, vorführen. Das war sehr spannend und hat alle Zuhörer begeistert.

Die Zwischenzeit nutzte ich, um mit den restlichen Kindern die Funktion des Baumes, des Waldes, der Reiserhaufen, der Tümpel und der Trockenmauern durchzusprechen.

Sechs Frischlinge quiekten im Sauengatter und die gewaltige Bache mit dem herrlichen Namen Paula legte sich auf die linke Seite und eröffnete ihre Milchbar. Ein zufriedenes Nuckeln zeigte, das die Kleinen ihr Ziel erreicht hatten. Bergmannskühe meckerten und ein Muffellamm blökte. Ja, Jungwild gab es überall.

Nach fünfundvierzig Minuten wechselten wir die Kinder und meine Gruppe kam ins Immenhaus, während die jungen Freunde des duftenden und leckeren Honigs, sich mit mir wieder um Bäume, den Wald und seine unterschiedlichsten Lebensräume kümmerten. Ja, die kleinen Drittklässler wurden mit Informationen gefüttert. Kurz vor dem Heimweg war ein großer Besuch der Sanitäranlagen des WPZ angesagt. Dann aber ging es durchs Voingholz nach Hause. Buschwindröschen wiegten ihre Blüten sanft im Wind, die gelben Sterne des Scharbockkrautes strahlten um die Wette und einzelne Windböen schüttelten die Buchen im Walde. Ja, das Wetter verschlechterte sich.

Am Hof Borgwert musste sich die plappernde Schar wieder ein Schlösschen auf die Lippen legen, da ich noch mit dem Anblick von Rehwild rechnete. Und richtig: Zwei Rehe zogen hinter der Hecke des letzten von uns besuchten Bauernhofes, des Hofs Wortmann, in den Windschatten. Somit hatten wir auf unserer Wanderung drei Rehe beobachten können. Neben dem Friedhof fanden wir zwei unverletzte, aber verendete Kröten. Sie waren keine Verkehrsopfer, sondern höchst wahrscheinlich Opfer des Gülleeintrages auf den angrenzenden Feldern, denn sie waren fast schwarz. Kröten leben in diesen Feldern und müssen, auf dem Weg zu ihren Laichplätzen, über frisch gegüllte Flächen. Die sehr empfindliche Haut der Lurche wird geschädigt und die Strampelmänner ersticken. Pünktlich um 13.30 Uhr erreichten wir müde, aber zufrieden und glücklich, den Schulhof der Josefschule.
Sehr traurig machte mich der Umstand, dass sich nur drei Wildtiere zeigten. Auch die Tatsache, dass sich weder ein Hase noch ein Fasan blicken ließen, stimmte mich nachdenklich.

Dieser Pirschgang brachte in einundzwanzig Jahren den zweitschlechtesten Anblick, den ich einer Klasse bieten konnte. Es kann nur noch besser werden.

Herr Schumacher befreite mich vom Mikrophon und fuhr, offensichtlich zufrieden, wieder in Richtung Köln. Ich lenkte müde und nachdenklich meinen Wagen in die Bleike.  Quintus, der durch die Kinder außer Rand und Band war, stürzte sich auf seinen Fressnapf und verdrückte sich in sein Körbchen. Ihn sah ich erst am Abend wieder.

Dienstag, den 05.04.2016 Wanderung mit der 3 a der Josefschule, unter Leitung von Frau Lieneke. Gestern Abend waren die Wetternachrichten nicht besonders erheiternd. Hagelschlag und Gewitter wurden angesagt. Daher speicherte ich die Handynummer des Herrn Schepers für den Fall, dass ich die Wanderung aus Sicherheitsgründen nicht verantworten konnte und eine Absage angezeigt war. Aber, es kam anders.

Es plädderte still vor sich hin, als ich am Schulhof eintraf. Die Klasse stand schon abholbereit in der Einfahrt und los ging es. Quintus machte wieder einmal einen krummen Rücken, sodass ich meine Hundebox nutzen und die Hinterlassenschaften meines Jagdkumpels vor den Augen der Kinder aufheben konnte. Das war natürlich der Anlass, auf die Verantwortung für alle Haustiere hinzuweisen und sie den Kindern vor Augen zu führen.
Auf dem Hof Im Winkel spulte Bernd wieder sein tolles Programm ab. Alles glich dem Vortage. Und doch gab es einen Unterschied zu allen vorherigen Besuchen. Gleich zu Anfang wies Bernd uns in der „Wöchnerinnenstation“ seiner Rinder darauf hin, das einem Rind schon die Fruchtblase geplatzt war und das Kalben nicht mehr lange auf sich warten ließe. Noch war die zukünftige Mutter ein Rind. Sie setzte ihr erstes Kalb. Erst nach dem Kalben erfolgt die Beförderung eines solchen Rindes zur Kuh. Ja, ein Teil der Fruchtblase hing aus der Geburtsöffnung der werdenden Mutter. Das Kalb ließ sich noch Zeit. In der Zwischenzeit beobachteten die Kinder den Melkvorgang in der Melkanlage, hörten etwas über die Fütterung der Tiere, besuchten die Kälber im Kälberstall, die unterschiedlichen Klassen in der Rinderschule und sausten anschließend wieder zur „Wöchnerinnenstation“, um die Geburt des Kälbchens mitzuerleben.

Immer wieder schüttelten Wehen den Körper des Rindes, das sich in eine Ecke des Stalles gedrückt hatte und dort lag. Jetzt sah man die Vorderläufe des Kalbes. Dann erschien der Kopf. Nein, es klappte nicht so richtig. Bernd musste helfen. Langsam und äußerst vorsichtig ging er an der Stallwand vorbei auf die Kuh zu. Immer wieder stand er still und beruhigte dadurch das Rind, das ihn aufmerksam beobachtete. Nach vielen kurzen Etappen erreichte er die werdende Kuh und versuchte das Kalb herauszuziehen. Als das nicht klappen wollte, rief er seinen Auszubildenden und verlangte von ihm ein Strick. Doch plötzlich griff er kräftig zu und zog das Kalb ans Licht der Welt. Im Stroh untersuchte er das Kälbchen und zog es vor seine Mutter. Die sollte es sauber lecken und die Plazenta aufnehmen. Das Kalb jedoch rührte sich nicht.

Bedrückt kam Bernd zu uns. Er eröffnete uns, dass das Kalb nicht lebte. Er hätte das sofort bemerkt. „Zehn Prozent aller Erstlingsgeburten sind Totgeburten“, so berichtete er. In den Folgejahren klappt das immer. Die Kühe müssen lernen, mit dieser Situation umzugehen.

Dieses traurige aber sicherlich bedeutende Erlebnis der Kinder wurde sofort zum Anlass genommen, mit ihnen über solche Probleme, die ja auch beim Menschen auftreten können, zu reden. So wurde den Schülern vor Augen geführt, dass auch der Tod zum Leben gehört. Kein Kind klagte oder war traurig. Alle haben diese Lektion verstanden. Solch ein Erlebnis hatte noch keine von mir betreute Klasse. Das war einmalig und wird sich auch kaum wiederholen. Es kostete uns viel Zeit, hier zuzuschauen, Zeit die wir uns aber gerne nahmen. Die Eltern sollten und mussten am Mittag auf ihre Kinder warten.

Bernd versorgte, wie immer, die Kinder mit Produkten aus der Milchwirtschaft und frohen Mutes begann unser Pirschgang durch die Felder zum Waldpädagogischen Zentrum. Gleich am Ende der Weide hinter dem Kuhstall, stand in einzelnes Reh auf dem Weg. Es hatte im Silogras gestanden und machte den Eindruck eines Bockes, dem allerdings das Gehörn fehlte. Ich wurde nicht schlau aus ihm, konnte aber allen Kindern das Reh zeigen.
„Das war ja ein guter Start“, dachte ich. – Aber „Flötepiepen“. Es tat sich auf der gesamten Wanderung genau so wenig wie gestern. Am Waldpädagogischen Zentrum machten wir dieses Mal die Frühstückspause im Waldhaus. Dort hatten wir ein Dach über dem Kopf, denn es fieselte noch immer. Außerdem wollte ich die Kinder von der Brutanlage für Küken fernhalten. Das Schlüpfen der Osterküken sollten sie erst am späten Vormittag erleben.
Im Vorplatz zum Waldhaus lagen überall Abfälle. Offensichtlich hatte eine Schulklasse ihren Mist hier hingeworfen. Ein Abfalleimer war dieser Klasse nicht bekannt.

Eine unserer Schülerinnen sammelte den Abfall aus eigenem Antrieb auf und wurde dabei gleich von einer breitwüchsigen „Dame“ angeblasen, die wie die Bache Paula auf sie losging und in einem Kommandoton die Kleine aufforderte, den Abfall wieder an Ort und Stelle zurückzulegen. Der Abfall wäre aus pädagogischen Gründen dort hingelegt worden. Die anderen Klassen sollten zeigen, was in den Wald gehört und was nicht.
Dieses „Pädagogische Wunder“ hat dem Mädchen den ganzen Mut genommen. Anstatt sich zu der Kleinen in die Hocke zu begeben, einer solch tollen Schülerin zu danken, sie zu loben und gleichzeitig zu bitten, den Abfall wieder zurückzulegen, zerschlug sie kistenweise pädagogisches Porzellan.

Bravo! Solche Lehrerinnen braucht die Welt.

Ich konnte unsere kleine Umweltschützerin loben und habe die „Dame“ zurechtgewiesen. Das Programm von Gestern wiederholte sich. Paula mit ihren Frischlingen, das zwei Tage alte Muffellamm, die kleinen Zicklein und auch die Brutmaschine begeisterten die Kinder. Sie hörten auch, dass der Keiler Paul mittlerweile verwurstet wurde, da er zu alt und damit zu gefährlich geworden war.
Nach dem Besuch der eigenen Bäumchen, ging es wieder zum Hof Wortmann. Auf dem Weg dahin liefen wir über die Saat hinter dem Industriepark Wiesenbusch. Dort lagen überall Hasenrosinen in den Schlepperspuren. Hasen gab es hier. Sie hatten sich offensichtlich nur versteckt. Am Hof Wortmann angekommen, sahen wir….nichts.

Plötzlich sagte Frau Lieneke:“ Da ist doch ein Reh!“ und wies dabei auf die Hecke. Außer einigen Krähen sah ich aber nichts. Mein Glas schwenkte nach rechts, da erblickte ich das Haupt eines Bockes, das unter dem mittleren Kugelbaum aus der Saat blickte. „Mein Gott, was haben sie für gute Augen. Sie sollten Jäger werden“, sagte ich. Doch Frau Lieneke sah den Bock gar nicht. Sie sah nur die zwei schwarzen Krähen. Nun wurden fünf weitere Rehe hoch, die wir bis dahin nicht gesehen hatten. Mit bloßen Augen konnten wir beobachten, wie sie langsam in den Schutz der Hecke zogen.

Die Kinder jubelten und schnatterten wie eine Gänseherde. Schnatternd wanderten wir zum Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung, der Josefschule.

Ja, am Schulhof brüllte die Klasse ein Danke! Danke! Danke! Sie zeigte mir damit, dass diese Wanderung mit Sicherheit in ihrer Erinnerung bleiben wird und alle heute viel Spaß hatten.
Ich glaube, es ist Zeit allen Mitwirkenden einmal herzlich „Danke“ zu sagen.

Der Dank gilt der Familie Im Winkel, die einmal mehr ihren Bauernhof den Kindern zur Verfügung stellte. Einen besseren Unterricht kann es einfach nicht geben. Die Kinder lernen so in jungen Jahren, was Leben ist, was zum Leben gehört und dass wir mit Lebensmittel sorgfältiger umgehen sollten. Die Geburt des Kälbchens war ein Kracher. Ich bin ganz sicher, dass kein Kind dieses Erlebnis je vergessen wird.

Ein Kracher war auch Herr Summsemann, alias Schepers, der unermüdlich die Imkerei, als Teil der Landwirtschaft, meinen kleinen Freunden nahe brachte. Ihm gilt unser großer Dank.
Auch seine Ausführungen stecken zukünftig in den Köpfen der Kinder unserer „naturbegeisterten Josefschule“. Da kann er ganz sicher sein.
Ja, Danke auch all meinen kleinen Freunden, die ihre Beine bewegten, ihre Ohren spitzten und die mitgebrachten Ferngläser öfter scharfstellten.

Euch und euren Lehrerinnen kann ich nur sagen: „Es hat mir viel Spaß gemacht. Bleibt so, wie ihr seid. Ihr passt in die Welt!“
Euer Gerd Tersluisen