Nachts schleichen Füchse durch die Straßen von Gladbeck

Winterhoff

In der Stadt finden die Wildtiere Nahrung. Der Fuchs ist scharf auf alle Säuger bis zur Hasengröße. Hegering bittet: Tiere nicht füttern.

Reineke Fuchs ist eine fiktive Prosagestalt und ein Übeltäter. Durch geniale Lügengeschichten und ausgesuchte Bosheiten rettet er sich aus aussichtslosen Lagen und steht am Ende noch als Sieger seinen Widersachern gegenüber.

Fast ist es so, als ob der Rotfuchs der Literaturgestalt nacheifert. Auch er ist mittlerweile zur Plage in unserer Stadt geworden und wildert wo es nur geht, klagt Gerd Tersluisen, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Gladbeck.

Der Silberfuchs in der Stadt – ein neues Phänomen?

Gerd Tersluisen: Ach was, wir haben schon lange das Problem der Füchse in der Stadt. Auch in Gladbeck. Ja, ich möchte sagen, dass mittlerweile die Populationsdichte in den Städten höher ist als in den Wäldern.

Nennen Sie uns eine Zahl?

Ich rechne in Gladbeck mit einem Bestand von 200 bis 300 Füchsen.

Gibt es Probleme mit dem räubernden Silberfuchs?

Und wie, es ist unglaublich. Besonders massiv war es mal in Rentfort. Die Füchse waren gleich zu mehreren unterwegs. Zwei unserer Jungjäger haben 2014 im Umkreis von Opas Stall gleich 22 Stück gejagt. Unsere Gesamtstrecke für Gladbeck waren übrigens 55 Abschüsse in 2014 und immerhin 75 im Jahr 2013. Allein aus Zeitgründen sind wir 2014 nicht über die 75 Stück aus 2013 gekommen.

Traut der Räuber sich auch weiter als zu Opas Stall?

Na klar, bis in die Stadt. Nachts schleichen die Füchse über die Schulhöfe und suchen in Papierkörben nach Essbarem. Es lässt sich eben für den Fuchs gut leben in der Stadt. Dort ist es für ihn wie im Paradies. Übrigens: In London leben rund 10 000 Füchse.

Hat schon mal jemand vor Meister Reineke kapituliert?

Ja, in Rentfort hielt ein Bürger Gänse. Nachdem er zehn davon in einem Jahr verloren hatte, hat er seine Tierhaltung aufgegeben.

Auf was ist der Rotrock scharf?

Auf alle Säuger bis zur Hasengröße. Gerne schnappt er Geflügel, geht auch an Aas, das er in der Nähe von Straßen als Unfallüberbleibsel findet.

Kann der Fuchs gefährlich sein?

Ja, er kann Krankheiten wie beispielsweise den Fuchsbandwurm auf den Menschen übertragen. Zum Glück ist Deutschland mittlerweile tollwutfrei. Die Schluckimpfung per Köder war da sehr hilfreich.

Kommen die von räubernden Füchsen Betroffenen zu Ihnen?

Ja, die Leute sind dann sehr sauer, gehen zum Jäger und sagen: Tu was. Und dann ärgern wir uns mit ihm rum.

Wie halten sie die Raubtiere in Schach?

Ausnahmslos mit der Waffe per Lockjagd. Als akustischen Köder ahmen wir die Stimme der Beutetiere des Fuchses nach wie beispielsweise den Vogel-Angstruf.

Helfen denn Hindernisse?

Kaum. Er ist geschickt. Über Zäune klettert er mit Wonne und Leidenschaft.

Was kann denn den Geflügelhaltern noch helfen?

Das Thema ist vom Tisch, wenn ein Hund ins Spiel kommt. Das einzige was hilft, ist, den Hund mit seinem Körbchen in den Auslauf der Hühner zu setzen. Der Hund macht Krach, das mag der Fuchs nicht.

Der rote Räuber bleibt also weiterhin ein leidiges Thema?

Nun, er vermehrt sich munter weiter. Da, wo er viel Nahrung findet, bekommt er viele Junge. Dabei gilt: Er hat nur so viel Nachwuchs wie er auch ernähren kann.

Jetzt sind wir bei den lieben Mitmenschen. . .

Dummerweise und verbotenerweise füttern manche Leute nicht nur Tauben und Enten oder stellen dem Igel eine Tasse Milch hin, sondern geben auch dem Fuchs Nahrung. Dann sind die stolz, dass sie ihren eigenen Fuchs haben. Doch das ist die größte Dummheit.

Ihr Appell?

Eher ist es eine Bitte: Lasst Tiere Tiere sein. Und: Füchse können beißen und Krankheiten übertragen.

Quelle: derwesten.de – Gerhard Römhild | Foto: Kevin Winterhoff