Hunde hetzen in Bottrop Hirsch und Rehbock in den Tod

Hirsch - Foto: DPA

Zeugen berichten von schlimmen Szenen in Feldhausen am Samstagvormittag. Ein Hirsch und ein Rehbock ließen ihr Leben. Zwei verletzte Tiere sind noch verschwunden. Jäger: Nicht angeleinte Hunde seien eine „Katastrophe“.

Was Bauer Burkhard Sagel am Samstagmorgen gegen 11 Uhr von seinem Hof Am Dahlberg aus beobachtet, schockiert ihn. Panisch rennen zwei männliche Hirsche und eine Hirschkuh quer über die Apfelplantage auf dem Nachbargrundstück. Die Tiere kämpfen sich durch einen hohen Maschendrahtzaun, der die Plantage umgibt, und verschwinden im Wald an der Autobahnauffahrt (A 31). Sie sind verletzt, können kaum noch laufen. Bei einem Hirsch erkennt Sagel eine lange Risswunde am Bauch. Sofort alarmiert er Jagdpächter und Nachbar Manfred Stegemann.

Manfred Stegemann, Mitglied beim Hegering Kirchhellen: „Die Hirsche müssen schon am Morgen von Hunden gehetzt worden sein. Die halten sich eigentlich im Bereich des Golfplatzes in Ekel auf und tauchen nicht im westlichen Teil von Kirchhellen auf.“ Die Verletzungen hätten sich die Tiere wohl bei der Flucht durch Zäune und Gehölz zugezogen.

Gemeinsam mit zwei Jäger-Kollegen versucht Stegemann den Tieren zu folgen. Zwei Hirsche überqueren die A 31 und rennen bis zum Movie Park, ein Tier bleibt verschunden. Die Jäger vermuten, dass es entweder verendet ist oder sich noch im Bereich der Autobahn aufhält. Am Security-Eingang des Movie-Parks kommt es zu dramatischen Szenen. Ein Hirsch verfängt sich zunächst im Zaun, löst sich dann und springt über die Schranke hinein in den Park. Das Tier blutet stark und sinkt irgendwann in sich zusammen. Die Jäger erlösen das Tier. Der andere Hirsch flüchtet Richtung Dorsten.
Polizeieinsatz wegen eines aggressiven Wildtieres

Ramona Hörst, Sprecherin des Polizeipräsidiums, bestätigt: „Wir wurden mehrfach wegen eines aggressiven Wildtieres gerufen. Am Movie Park wurde ein verletztes Tier von einem Jäger erlöst.“

Fast gleichzeitig ein weiterer Vorfall auf dem „grünen Parkplatz“ des Movie Parks auf der anderen Seite der Bahnstrecke: Im Graben vor einem Zaun liegt ein toter Rehbock. Hier treffen die Jäger auf Hundehalter, die ihnen gegenüber einräumen, dass ihre nicht angeleinten Hunde das Wild gehetzt haben. Die Jäger vermuten, dass das Tier an seinen Verletzungen beim Fluchtversuch gestorben ist. „Aber da waren auch eindeutig Bissspuren am Nacken des Rehbocks zu erkennen“, berichtet Stegemann. Die Hundehalter hätten angegeben, dass sie zu dieser Uhrzeit keine Wildtiere erwartet hatten.

Das Problem mit nicht angeleinten Hunden sei bekannt, so Stegemann. „Das ist eine Katastrophe hier. Die Menschen nehmen überhaupt keine Rücksicht auf die Natur.“ Er sagt, dass viele Hundehalter aus Gladbeck nach Kirchhellen kommen, um dort ihre Hunde unangeleint laufen zu lassen, weil in Gladbecker Waldstücken oftmals Kontrollen durch das Ordnungsamt stattfinden würden.

Quelle: derwesten.de – Tim Schulze | Foto: DPA