Die Gladbecker Füchse zieht es in die Innenstadt

Winterhoff

Tierschützer protestieren gegen die Fuchsjagd. Die sei nötig für die Artenvielfalt, kontern Jäger. In der Stadt werden Füchse zum Problem.

Der Fuchs ist ein schlaues Tier. Nicht von ungefähr ist er es, der in vielen Fabeln als listige Figur auftaucht, dem Goethe sein Epos „Reineke Fuchs“ widmete. Doch bei aller List: Manchmal geht es auch dem schlauen Jäger selbst an den Pelz. So hat der Hegering im benachbarten Kirchhellen für die Woche vom 19. bis 24. Februar zur Fuchsjagdwoche aufgerufen.

Tierschützer protestieren gegen die konzertierte Aktion, argumentieren, eine solche Jagd diene nur dem Vergnügen der Jäger, zumal die geschossenen Füchse noch nicht einmal weiterverarbeitet würden. Auch beim Gladbecker Tierschutzverein stehen die Aktiven der Fuchsjagd kritisch gegenüber.

Tierschützer plädieren für natürliche Regulierung

Das Argument der Jäger, Füchse bedrohten den Fortbestand von Vögeln, die am Boden brüten, kennen sie. „Aber wenn man die Füchse einfach in Ruhe ließe, würden sie ihren Bestand über kurz oder lang selbst regeln“, glaubt Tanja Zimmer, Vorsitzende des Gladbecker Tierschutzvereins.

Doch auch in Gladbeck steht der Fuchs auf der Liste der Tiere, die bejagt werden – zwar nicht im großen Stil wie im ländlicheren Kirchhellen, dafür aber kontinuierlich. 55 von ihnen erlegten Jäger im vergangenen Jahr in den Revieren (2015 waren es 75) – „man kann davon ausgehen, dass das rund einem Drittel der Population entspricht“, sagt Hegeringsprecher Gerd Tersluisen.

Nur in den Wäldern und rund um die Felder wird geschossen. Dabei werden Füchse zurzeit an einem ganz anderen Ort zum Problem: „In den Städten selbst ist die Population mittlerweile wesentlich höher als in den Wäldern“, sagt Tersluisen. In der Nähe des Menschen finden die Tiere reichlich Futter, seien es Reste aus Mülltonnen oder auch Kulturfolger wie Ratten oder Nutztiere wie Hühner oder Gänse – alles leichte Beute für den Fuchs.

Ein Fuchs hatte sich im Keller versteckt

Immer wieder werden auch die Tierschützer zur Hilfe gerufen, einmal mussten sie sogar einen Fuchs aus einem Kellerraum befreien, in den er irgendwie gelangt war. Zunächst würden sich viele Leute freuen, wenn sie einen Fuchs sähen, sagt Zimmer. Die Freude ende allerdings häufig, wenn die Menschen dann an ihre Haustiere dächten und darauf den Tierschutzverein anriefen um zu fragen, ob der Fuchs nicht eventuell doch gefährlich sein könnte und etwa Krankheiten wie Tollwut übertrüge.

Da kann Gerd Tersluisen Entwarnung geben: Die Tollwut sei in Deutschland „ausgerottet“, dank groß angelegter Impfaktionen, die ihrerseits auch dazu beigetragen hätten, dass die Population der Füchse stark angestiegen sei.Und in Wohngebieten können damit auch neue Probleme auftauchen. Denn dort dürfen Jäger nicht schießen, und die Fallenjagd sei derart streng geregelt, dass die meisten Waidleute davon absähen.

Ein kranker Fuchs lief durch Zweckel

Immer öfter werden Füchse in den Innenstädten gesichtet. Und doch müssen die Revierpächter auch in Siedlungen einschreiten, wenn etwas passiert. Zum Beispiel bei dem kranken Fuchs, der vor einiger Zeit in Zweckel Aufsehen erregte, als es bei einer Familie durch die Terrassentür lugte. Später wurde das geschwächte Tier auf einer Wiese gefunden, der Hegeringsleiter erlöste es schließlich.

Die Füchse, die die Wälder verlassen und sich in Menschennähe ansiedeln, werden sowohl die Tierschützer als auch die Jäger wohl künftig noch mehr beschäftigen. Und auch, wenn sie sich beim Thema der Fuchsjagd in Feld und Wald nie einigen werden: Die Zahl der Tiere, die bei einer solchen Aktion erlegt werden, spricht für die Schlauheit der Gejagten: Bei der zurückliegenden Aktion in Dorsten, über die auch die WAZ berichtete, erlegten die Jäger gerade einmal sieben Tiere.

Quelle: waz.de – Nina Estermann