Der Hubertustag erinnert an den Schutzheiligen der Jäger

Von Andreas Otto (Domradio.de)

Die Nazis machten aus Hubertus das Urbild des jagenden deutschen Mannes. Brauchtumexperte Manfred Becker-Huberti entwirft ein ganz anderes Bild: Hubertus sei die Fürsorge für den Wald wichtig gewesen, das Jagen habe nur einen Teil ausgemacht.

Handys halten auch im Jagdwesen Einzug. Ob Hase oder Fuchs geschossen wurde, teilen sich Jagdgesellschaften auch ganz modern mit. Das Sülztaler Blasorchester aus Overath im Bergischen beherrscht aber wie andere Ensembles noch die traditionelle Kommunikation: Mit verschiedenen Signalen können sie mitteilen, welche Tierart nun dran glauben musste.

Die Hörner erklingen auch vielerorts jedes Jahr am 3. November. Denn es ist der Tag des Hubertus, des Schutzpatrons der Jäger. Mit dem Heiligen verbinden sich viele Bräuche – nicht nur das Jagdhorn-Blasen. Ein erlegtes Wildschwein richtig „zur Strecke legen“ gehört auch dazu: So geben die Sülztaler eine Kostprobe ihres Könnens vor einer erlegten Wildsau, der ein kleiner Zweig im Maul steckt.

Hubertus wurde früh Bischof

Normalerweise bekommen nur männliche Tiere ein solches Bruchzeichen, das den letzten Bissen symbolisiert und dem Wild die Ehre erweisen soll. Doch zu Demonstrationszwecken hat Albert Trimborn an diesem Herbstabend mal eine Ausnahme gemacht. Dem Jäger, den der Deutsche Landwirtschaftsverlag zum besten Manager 2017 kürte, gehört das Lohmarer Bauerngut Schiefelbusch. Dort haben Interessierte die Gelegenheit, bei einem „KulturDinner“ mit Wildspezialitäten und Vorträgen die Welt der Jäger und ihren Schutzpatron, den heiligen Hubertus, näher kennenzulernen. Die Sau, die im Mais ein Blattschuss traf, muss laut Trimborn noch zwei Tage „in der Decke hängen“, bevor sie vom Fell befreit, also „abgeschwartet“ wird. Schon das Jägerlatein verrät die ganz eigene Kultur der Hubertus-Freunde.

Beim Dinner, das die katholische Thomas-Morus-Akademie Bensberg mit der Familie Trimborn organisiert hat, kredenzt der Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti einen mentalen Zwischengang und entfaltet Leben und Legende von Hubertus. Als gesichert gilt, dass der Heilige relativ früh Bischof wurde. Als Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse erblickte er 656 oder 658 die Welt. Im Jünglingsalter kam er an den Hof Theoderichs III. von Burgund. Als die Frau von Hubertus nach der Geburt des ersten Kindes starb, warf es ihn aus der Bahn.

Begegnung mit einem Hirsch

Aus Kummer stürzte er sich ins Vergnügen und wurde laut Becker-Huberti „ein wild gewordener Jäger, der Spaß am Töten hatte“. Laut Legende begegnete ihm aber ein Hirsch, zwischen dessen Geweihstangen ein Kreuz leuchtete. Davon beeindruckt, wurde Hubertus Einsiedler in den Ardennen. Vom Maastrichter Bischof Lambert ließ er sich zum Priester weihen. Nach Lamberts Tod wehrte sich Hubertus dagegen, in dessen Nachfolge zu treten. Erst ein Engel stimmte ihn um. Als Bischof missionierte er im einstigen Ardenner Jagdgebiet. 721 verlegte er den Bischofssitz von Maastricht an den Ort, der später den Namen Lüttich erhielt. 727 starb Hubertus.

Bald setzte dem Brauchtumsexperten zufolge die Verehrung ein. Zum Heiligen wurde Hubertus, als am 3. November 744 seine Gebeine aus dem Grab erhoben wurden. In der Folge entfaltete sich die Hubertus-Legende in mehreren Varianten. Huberts Gebeine wurden 825 in ein Kloster in den Ardennen überführt, wo sie im 16. Jahrhundert bei einem Hugenottenüberfall verbrannten.

Hubertus wurde zur Leitfigur des Bürgertums

Wichtiger als seine Gebeine war die Stola von Hubertus und ein sogenannter Petrusschlüssel, der sich in seinem Grab fand. Fäden der Stola wurden in künstlich zugefügte Wunden gelegt – als Mittel gegen Tollwut. Der Petrusschlüssel, ein Zeichen besonderer Verbundenheit des Papstes für Bischöfe, wurde als Brenneisen gegen Tollwut-Wunden verwandt.

Zunächst verehrte der Adel Hubertus. Doch nach der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er Leitfigur des Bürgertums. Die Nazis machten aus ihm das Urbild des jagenden deutschen Mannes. „Noch heute bereitet es Schwierigkeiten, diese einengende Interpretation wieder zurückzufahren“, so Becker-Huberti.

Falsch findet er auch, ihn – wie die Punkband Muff Potter – als Mann mit Lust am Töten zu beschreiben. Das Gegenteil sei der Fall. Hubertus stehe für die Hege des Waldes – und das Abschießen sei nur ein Teil davon. An Hubertustagen sollten sich Jäger daher selbstkritisch fragen, ob sie verantwortlich mit der Schöpfung umgehen.