105 Jahre für Halterns Natur (2. Teil)

Der Natur- und Vogelschutzverein Haltern und Umgebung e.V. von 1913

 „Jeder sollte so leben, dass er die Welt ein klein wenig verbessert.“
Nach diesem Grundsatz scheint der Natur- und Vogelschutzverein zu handeln, dem ich in Heft 3/18 einen kleinen Bericht widmete.

An dieser Stelle möchte ich ein weiteres Projekt des Vereins in der Stadt Haltern vorstellen. Das Projekt sucht seines Gleichen und ist von großem Nutzen für die Natur und die Bevölkerung der Stadt.

Es geht um eine Heidefläche, die es ohne den Einsatz vieler begeisterter Bürger und des o. g. Vereins nicht gäbe.

Die Westruper Heide bedeckt eine Fläche von 89 ha. Sie befindet sich im Besitz des Kreises Recklinghausen und steht seit 1937 unter Naturschutz. Diese Heide ist ein Relikt riesiger Heideflächen, die für unsere Heimat über Jahrhunderte hinweg bestimmend waren.
Wie alle Heiden entstanden diese Flächen infolge einer Übernutzung durch den Menschen, die zu einer Vernichtung der Wälder führte. Sie sind also Menschenwerk.

Schafe

Wenn wir heute die einzigartige Landschaft einer Heide bewundern können, so ist das der ständigen Pflege durch engagierte Menschen zu verdanken. Foto. Rolf Behlert

Bis 1846 galten die Markrechte, die auch Allmenderechte genannt wurden. Eine Fläche um das Dorf herum, durfte gemeinschaftlich von allen Dorfbewohnern genutzt werden. Dazu gehörte die Nutzung von Holz zum eigenen Verbrauch, die Beweidung des Gebietes durch Nutztiere und das Abplaggen der obersten Humusschicht als Einstreu für die Stallungen. Gemischt mit dem Kot des Viehs, nutzte man die Plaggen als Dünger für die mageren Sandböden der bewirtschafteten Felder.
Die Nutzung der damals vorherrschenden Eichen zum Bau von Schiffen, sowie zum Begleichen von Kriegsschulden, vernichteten die restlichen Waldbestände nahezu vollständig.
Die ständige Beweidung durch Viehherden ließ den  Hölzern keine Möglichkeit mehr die geschundenen Flächen zurückzuerobern. Die zur Zwergstrauchgesellschaft zählende Besenheide (Calluna vulgaris) und der Wacholder (Juniperus communis)  waren die einzigen Pflanzen, die den Verbiss durch das Weidevieh überstanden. Der Wacholder überlebte wegen seiner Stacheln und seines Geschmacks. Die Besenheide reagierte auf die Beweidung mit neuem und noch stärkerem Wachstum.

Heidelandschaft

Ungenutzte Heidefläche hat eine sehr überschaubare Lebensdauer. Foto: Rolf Behlert

Eine ungenutzte Heidefläche hat eine sehr überschaubare Lebensdauer. Man sagt: „Die Heide kommt 10 Jahre, steht 10 Jahre und vergeht 10 Jahre. Nach diesen 30 Jahren stellt sich dann die nächst höhere Pflanzengesellschaft ein.“

Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen die Heideflächen durch die damalige Bodenreform neue Besitzer. Da diese Besitzer mit den erworbenen Flächen schließlich wirtschaften wollten, wurde eifrig aufgeforstet. Nur wenige Flächen konnten unter Naturschutz gestellt und dadurch für die Nachwelt erhalten werden. Ich erinnere hier an das erste Naturschutzgebiet Deutschlands, das Kerngebiet der Lüneburger Heide. Dieses Gebiet konnte nur durch die Initiative des naturliebenden und heimatverbundenen Pastors Wilhelm Bode, aus Egestorf bei Lüneburg, für die Nachwelt gerettet werden.
Wenn wir heute die einzigartige Landschaft einer Heide bewundern können, so ist das der ständigen Pflege durch engagierte Menschen zu verdanken.
Und hier beginnen die Aufgaben des Natur- und Vogelschutzvereins.
Unter der Regie des Vestischen Umweltamtes der Kreisverwaltung Recklinghausen wird nunmehr, seit dem Jahre 1984, dieses Kleinod mit Hilfe vieler heimat-verbundener Vereine in enger Anlehnung an die früheren Bewirtschaftungsformen der Kleinbauern gepflegt.

„Im Jahre 1980 befand sich die Westruper Heide in einem sehr schlechten Pflegezustand und sollte durch einen großflächigen Plaggenhieb wieder zur Blüte gebracht werden. Weil aber  neben der jungen Heide auch unerwünschte Birken und Kiefern in hoher Dichte heranwuchsen und eine Schafbeweidung zu diesem Zeitpunkt noch nicht etabliert war, übernahmen insgesamt 22 Patengruppen das jährliche Ausziehen der jungen Birken und Kiefern.“

Schließlich konnte die Kreisverwaltung im Jahre 1992 von der Notwendigkeit einer Schafbeweidung überzeugt werden. Seitdem erfolgt die Pflegearbeit der Beweidung, in jeweils zwei jährlichen Phasen, durch Heidschnucken und Bentheimer Landschafe.

Der Natur- und Vogelschutzverein übernimmt die Arbeit des Entfernens unerwünschter Gehölze, übernahm das wiederkehrenden Abflämmen (zusammen mit der freiwilligen Feuerwehr), sowie die Mahd der alten verholzten Heide.
Mit diesen Arbeiten ermöglicht er der einzigartigen Landschaftsform und vielen auf sie angewiesenen Tier- und Pflanzenarten ein Überleben. Er schützt nicht nur eine rosarote Blütenpracht, sondern alle typischen Heideelemente wie z. B. die offenen Binnendünen. Er erhält der Bevölkerung Halterns und Umgebung ein herrliches Wandergebiet.

Besondere Tiere und Pflanzen im Bereich der Westruper Heide:

„ Heidelerche, Gartenrotschwanz, Schlingnatter, Ziegenmelker, Schwarzkehlchen, Thymianseide, Englischer Ginster, Sonnentau, Sumpfbärlapp, Heidekeule, verschiedene Flechten und eine artenreiche Insektenfauna findet man in der Westruper Heide.

Diese Tier- und Pflanzenarten überleben nur durch den Einsatz vieler natur-begeisterten Menschen und Vereine, sowie dem verantwortungsvollen Verhalten aller Besucher des Gebietes. Die Wege dürfend nicht verlassen werden. Hunde sind unbedingt anzuleinen, Golfspielen und das Steigenlassen von Quadrocoptern hat zum Schutz der Trier- und Pflanzenwelt zu unterbleiben.
Der Rückgang dieser Gebiete hat zum Aussterben des Birkwildes geführt, dass noch um 1930 auf dem Gebiet der Stadt Bottrop und der Üfter Mark, balzte.
Mittlerweile stehen alle Heideflächen unter Schutz. Ihre Größe gibt dem Birkwild aber seinen benötigten Lebensraum nicht mehr zurück.

Dieser Bericht soll ein Beispiel geben. Man kann etwas bewegen, wenn man nur will.
Bei ähnlichen Projekten im Bereich der Hegeringe, kann die Jägerschaft sich sicherlich erfolgreich einbringen. „Nur Mut, packen wir es an!“

Sorgen wir alle dafür, das der Lebensraum „Heide“ erhalten bleibt.

Gerd Tersluisen (Hegering Gladbeck)

Quelle: Ein Jahrhundert für Halterns Natur 1913 – 2013 (Der Natur- und Vogelschutzverein zu seinem Jubiläum)

So erschienen in Heft 4/2018 der Zeitschrift: „Der Wildhüter“