Wolf

Von Sabine Leopold, agrarheute, 22.03.2021 – 11:30

Aktuell gibt es immer wieder Wolfssichtungen in Städten. Vor allem die Suche nach neuen Territorien treibt die Tiere offenbar auch in urbane Gebiete. Damit könnte sich die Sicht auf den Beutegreifer verändern.

Im niedersächsischen Lohne wurde am gestrigen Sonntag ein Wolf gesichtet und gefilmt. Das Tier lief gestresst, aber ohne große Scheu durch die Straßen und zeigte gegenüber Menschen wenig Vermeidungsverhalten. Ein Vater, der mit seinen Kindern unterwegs war, filmte den Beutegreifer.

Der Film wurde in den sozialen Medien zum Klickhit. Die Meinungen zum Gesehenen gehen dabei weit auseinander. Sicher ist aber: Der Wolf ist wohl nicht länger nur ein ländliches Problem.

Wolf im Stress

Das Tier war mitten am Tag durch die Lohner Innenstadt gelaufen. Der Vater, der den Wolf filmte, musste seine Kinder zurückhalten, die dem Beutegreifer folgen wollten. Dieser Vorgang sorgte im Netz für sehr unterschiedliche Reaktionen.

Während beispielsweise das Naturschutzprojekt Felis-Lupus auf Facebook schrieb: „[…] was in entlegenen Gebieten Osteuropas und Asiens (fast) normal erscheint, wird hierzulande – kulturhistorisch vorbelastet – noch im Alarmmodus wahrgenommen […]“, posteten Weidetierhalter Fotos von Rissen und warnten eindringlich davor, diese Entwicklung auf die leichte Schulter zu nehmen.

Fahrlässiger Umgang mit einem Beutegreifer

Zahlreiche Wolfsbefürworter wiesen in den sozialen Medien daraufhin, dass man im Video deutlich erkennen könne, dass der Wolf gestresst sei und sich vor den Menschen fürchte. Die Kinder hätten das besser erkannt als der überängstliche Vater.

Der Sauerländer Landwirt Kempersbuur twitterte daraufhin: „Wer nicht mit Tieren umgeht, weiß nicht was es bedeutet, wenn ein Tier in Panik ist.“ Und die Userin die Ratlose schrieb aus Tirol: „Es ist furchtbar fahrlässig, was derzeit passiert. […] es handelt sich um Raubtiere! Diese Illusion, dass der Mensch unangetastet bleibt, stammt aus grauer Vorzeit, als Siedlungen geschützt und Wölfe in deren Nähe geschossen wurden. Das hat das kluge Tier vergrämt.“Mehr zum ThemaIn der Nähe von München: Wolf reißt Reh

Stadtsichtungen scheinen zuzunehmen

Im Augenblick scheinen sich derartige Sichtungen zu häufen. Erst vor wenigen Tagen gab es einen ähnlichen Vorfall im sächsischen Riesa, als ein (möglicherweise junger) Wolf über ein Betriebsgelände streifte.

Bei der zuständigen Fachstelle Wolf mutmaßte man gegenüber dem MDR, dass sich das Tier von seinem Rudel abgenabelt habe und nun auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin und einem eigenen Territorium sei.

Jungwölfe auf der Suche nach eigenen Territorien

Mit der immer weiter zunehmenden Wolfszahl hierzulande dürften in manchen Regionen, in denen die Territorien knapp werden, solche „Stadtsichtungen“ zunehmen.

In Niedersachsen beispielsweise verzeichnete die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im Beobachtungsjahr 2019/20 in 21 der 36 nachgewiesenen Wolfsterritorien insgesamt 75 Welpen. In Sachsen wurden für das vergangene Jahr sogar 96 Welpen in 26 der 29 Territorien erfasst.

Viele dieser Jungwölfe werden im kommenden Jahr ihrerseits auf der Suche nach einem eigenen Territorium sein.