Waldbauern fordern: Jetzt mehr Rehe schießen

Das Problem: Die Tiere fressen mit Vorliebe junge Bäume

Von Martin Korte

Essen. Die Waldbauern in NRW fordern eine Verdopplung der Abschussquote für Rot- und Rehwild, damit die Aufforstung des vom Klimawandel geschädigten Waldes gelingen kann. „Überall wo junge Bäume stehen, müssen die Schalenwild-Bestände halbiert werden, und zwar für die kommenden fünf Jahre“, sagte Phillip Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW, dieser Zeitung.

Auch der Deutsche Forstwirtschaftsrat spricht sich für eine deutliche Erhöhung der Abschusszahlen aus. Experten sind sich einig, dass allein in NRW in den kommenden Jahren mehrere Millionen neue Bäume gepflanzt werden müssen, um den Wald zu retten.

Die Setzlinge sind allerdings ein Leckerbissen für Rehe. Ein einziges Tier kann theoretisch pro Tag mehr als 1000 Knospen fressen. Damit gefährden die Tiere die Wiederanpflanzung kompletter Waldflächen.„Grundvoraussetzung ist eine zielgerichtete Jagd. Das wird über Erfolg und Misserfolg des Aufforstungsprogrammes in ganz Deutschland entscheiden“, sagt Sebastian Schreiber, Sprecher des Deutschen Forstwirtschaftsrats.

Auch der forstpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese aus Brilon, befürwortet das Prinzip „Wald vor Wild“. Im zuletzt erfassten Jagdjahr (April 2017 bis März 2018) wurden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Rehe geschossen, davon 100.000 in NRW. Zudem erlegten die Jäger bundesweit 77.000 Hirsche. Der Landesjagdverband NRW kündigte an, die Aufforstung mit höheren Abschusszahlen zu unterstützen.

Die Waldbauern appellieren zudem an die Bevölkerung, den Wald „in Ruhe zu lassen“. Mountainbiker und Pilzsammler trieben Rehe häufig vor allem in die Waldbereiche, in denen neue Bäume angepflanzt werden, sagte Heereman.

Der Wildverbiss ist jedoch nicht das einzige Problem: Für die Organisation der Aufforstung und das Anpflanzen von Millionen Setzlingen fehlt das Personal. „In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Förster deutlich reduziert worden. Nun sind die Reviere zu groß geworden“, sagt Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. Zudem steht noch nicht fest, wo die jungen Pflanzen herkommen sollen. Allein Bayern und Hessen wollen in den kommenden Jahren mehrere Millionen Bäume pflanzen. Bericht Rhein-Ruhr / Komm. Meinung

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