Pressebild Jagd - Foto: Quarks & Co. - ARD

Sehr geehrte Damen und Herren!

Als begeisterter Zuschauer fast all Ihrer Sendungen, bin aber mit mehreren Aussagen in Ihrem o.g. Beitrag nicht einverstanden.
An dieser Stelle will ich mich nur auf zwei wesentliche Angaben in Ihrer Sendung beziehen. Hier sind Sie offensichtlich der Polemik einiger Naturschutzvereinigungen aufgesessen.

Da ist Ihr Hinweis, dass unsere Jagdgesetzgebung aus dem Jahre 1935 stammt.

Diese Behauptung wurde gebetsmühlenartig von den „Naturschützern“ aufgestellt, da man mit ihr, aber auch mit unkommentierten Aufnahmen des Reichsjägermeisters Göring, die Jägerschaft schnell ins Abseits stellen kann.

Das ist in Deutschland nun mal so. Die Ecke der Nazis ist vernichtend und das Wissen über diese Wirkung wird von den „Naturschützern“ gnadenlos ausgenutzt.

Tatsächlich stammt unsere Gesetzgebung aus der „Preußischen Verordnung zur Jagd“, vom 14.07. 1904. Diese Verordnung war äußerst fortschrittlich und wurde vom europäischen Ausland gelobt. Im Jahre 1928 erfolgte die erste Novellierung durch Zufügung einiger Schonzeiten. Hier spielte der Tierschutzgedanke eine große Rolle.

Herr Göring hat den Text dieses Gesetzes nahezu unverändert übernommen, die Gesetzgebung allerdings als Leistung der Nationalsozialisten propagandistisch ausgeschlachtet.

Von 1945 bis zum Jahre 1953, lag das Jagdrecht bei den Alliierten. Die Jäger wurden entwaffnet und durften die Jagd nicht mehr frei ausüben. Ab 1953 schuf die BRD eine neue Jagdgesetzgebung, die sich nur in unwesentlichen Punkten von der alten Gesetzgebung unterschied. Warum sollte man auch Bewährtes ändern? –  Diese Gesetzgebung wurde bis heute laufend novelliert.

Ganz anders sah die Sache mit der Naturschutzgesetzgebung aus.

Auf diesem Gebiet lag bis zum Jahre 1935 wahrhaftig keinerlei Gesetzgebung vor. Das Reichsnaturschutzgesetz war tatsächlich eine Leistung der Nazis. Und was meinen Sie, wer der oberste Reichsnaturschützer war? Na klar, es war Herr Göring, den man uns so gerne unterschiebt. Darüber schweigt der Naturschutz, weil diese Tatsache ihm nicht in seinen politischen Kram passt.

Dieses Reichsnaturschutzgesetz war so gut, dass es unverändert bis zum Jahre 1978 galt. Warum sollte man Bewährtes auch ändern?

Erst im Jahre 1978 wurde dieses Gesetz neu gewandet und dem Zeitgeist angepasst.

Der zweite Punkt, der mich mächtig störte, ist die plötzliche Empfehlung, aus Gründen des Tierschutzes auf Drückjagden, wie sie heute überall durchgeführt werden, zu verzichten und wieder die Einzeljagd durchzuführen.

Ich bin da der gleichen Meinung wie Sie und unterstütze Ihre Forderung voll und ganz.

Trotzdem verstehe ich Ihre Aussage nicht, war es doch der Naturschutz, der uns diese Art zu jagen auferlegte.
Ich empfehle Ihnen den Goldmann-Film „Der Rothirsch, König oder Geißel des Waldes“, hergestellt im Auftrage des NDR 1992.
In diesem Film empfiehlt der Leiter des staatlichen Forstamtes Bebenhausen, Herr K.-H. Ebert, gerade diese Jagdart. Sie wurde bis dahin von uns so gut wie nicht gepflegt. Wir kannten Drückjagden im überschaubaren Rahmen und mit wenigen ausgezeichneten Schützen. Einzelne Waldparzellen (Jagen) wurden dabei abgestellt und so an einem Tage mehrere Triebe durchgeführt. Das Wild wurde immer unverzüglich nachgesucht und versorgt. Schüsse über 50 Meter waren nahezu ausgeschlossen.
Diese Art zu jagen war den Herren vom Forst und den Naturschützern aber nicht effektiv genug. Um die Prämisse: „Wald vor Wild“ durchzusetzen, sollte jeglicher Wildbestand rigoros reduziert werden. Der gesamte Abschuss des Jahres sollte in einer oder zwei Jagden erfolgen. Anschließend hatte Ruhe im Revier einzukehren. Das ist in Bayern hervorragend gelungen. Dort gibt es heute kaum noch sichtbares Wild. Das Gemetzel zeigt halt Wirkung.
Die „großen roten Waldfresser“ sind dort verschwunden. Gleichzeitig überlässt man aber riesige Waldflächen dem waldvernichtenden Borkenkäfer (Nationalpark). Das verstehe wer will.

Diese beiden Punkte liegen mir besonders am Herzen. Es würde zu weit führen, wenn ich auf weitere Punkte einginge.

Schade, dass Sie in Ihrer Recherche nicht den Sielmann-Report 1 und 2 zum Thema „Jagd als Naturschutz“ (SAT 1, 1994) genutzt und beachtet haben.
Herr Sielmann steht sicherlich nicht im Verdacht ein Freund der Jagd zu sein. Hier hätten Sie tatsächlich einige Anregungen für Ihren Beitrag finden können.
Schade auch, dass Sie nicht intensiv auf das Verbot bleihaltiger Geschosse eingingen. Dazu hätten Ihnen nämlich die Leiter der Nachsuche – Stationen vieles erzählen können. Ihnen wären die Augen und Ohren nur so aufgegangen. Das hätte Schwung in die Diskussion gebracht.

Ich bitte Sie, diese meine Kritik entgegenzunehmen und bei Ihren nächsten Aussagen zur Jagd zu beachten.

Mit freundlichen Grüßen eines leidenschaftlichen und überzeugten Jägers

Gerd Tersluisen 

(Obmann für Öffentlichkeitsarbeit Hegering Gladbeck)
(Obmann für naturschutz der KJS Hubertus-Recklinghausen)
(Autor des Kinderbuches „Die Försterkinder aus dem Ruhrgebiet“)